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26.07.2011

Urbi @ orbi

Eine virtuelle Fliesen-Enzyklopädie des Schreckens

 

 

Die Ursache der sich bundesweit sintflutartig ausbreitenden Fliesen-Kollateralschäden in Schwimmbädern basieren nicht, wie bestimmte Alchemisten aus der Bauchemie-Gerüchteküche in Verantwortung delegierenden Manifesten – zum mentalen Scherzgrenze-Austesten – ultimativ behaupten oder wohl treffender zweckoptimistisch hoffen, auf dramatisch in Szene gesetzte „bauphysikalische Schrumpfungsprozesse in Verbindung mit Beton-Schwimmbecken“.

Die Problemlösung für die sich aller Orten von den Schwimmbecken-Wänden und Böden großflächig ablösenden Keramikbelägen ist auch nicht, wie einige missionierende Herren Merkwürden als anachronistische Siliconfugen-Botschafter guten Glaubens mit vollmundigen Rohrkrepiererempfehlungen predigen, nämlich völlig enthemmter Bewegungsfugen- Fetischismus, bei dem jeder Aquademiker mit und ohne Plag-Doc-Titel mit muss.

Bei den ausufernden Fliesenschäden im Pool der Erkenntnis helfen daher auch keine Blindgänger-Empfehlungen von Silicon-Verstehern mittels flächendeckender Implantierungen von durchgestyltem Dehnfugen-Design, sondern die triviale Praxis-Selbsterkenntnis: „Baupfusch hat es schon immer gegeben und gibt es auch weiterhin“!

Ursachen sind z. B. Planungsfehler respektive Ausführungsmängel und/oder …… aufgepasst, evtl. ungeeignete Produkte.

So einfach ist das, oder auch nicht, mit der einsetzenden Götterdämmerung bei den Rittern der Schwafelrunde, wenn nämlich die letzte Messe noch nicht gelesen ist. Maria hilf!

Daher gilt friesisch / fliesisch platt von der Waterkant bis zum Alpenland: Nicht lange tüdelig und dumm rumkacken – sorry – -schnacken, sonder das eigene Problem selber knacken, denn wat mut, dat mut. In diesem bajuwarischen Sinne: Servus, wisch & weg; denn kein Geschäft ohne Papierkram!

Folglich befindet sich mein 15-seitiges Skript zu diesem hochaktuellen Thema bereits bei renommierten Fachverlagen zur – hoffentlich – ungekürzten Veröffentlichung.

Moin,Moin, und herzliche Grüße vom Fischkopf Saunus.

P.S. Fliesenschadensbilder aus meine Praxis siehe unter Fachartikel in Archiv. (Ch. Saunus)

 

20.04.2011

Ein Markt droht verloren zu gehen!

Belagsablösungen - Ein Schadensszenario greift um sich: Fliesen lösen sich in Schwimmbädern von Beckenböden. Mögliche Ursachen: Nicht durchgetrockneter und durchgehärteter Dünnbettmörtel, haftungsfeindliche Fliesenrückseiten, zu enge Fugen, zu große Längenänderungen des Betonkörpers durch Schwindprozesse bei zu früher Verlegung und Untergründe, die keine ausreichende Haftung bieten. Der folgende Artikel schlägt Alarm und wirft Fragen auf, damit die Lösung dieses Problems schnell in Angriff genommen wird. Sonst könnten Edelstahlbecken den schönen gefliesten Becken bald den Rang ablaufen. Hans-Willibert Ramrath

Das Thema Schwimmbäder lässt die Fliesenfachbetriebe und den Technischen Ausschuss im Fachverband Fliesen und Naturstein nicht zur Ruhe kommen. Kaum haben sie das Problem einigermaßen in den Griff bekommen, dass sich in Schwimmbädern mit Mosaikbelag Pilze auf den Fugen großflächig ausbreiteten, ist ein neues Schadensszenario in vollem Gange: In einem gerichtsanhängigen Fall lösen sich auf einem Beckenboden von 1.000 Quadratmetern Fliesen in Teilbereichen vom Untergrund ab, in einem anderen sind nur 800 Quadratmeter oder wie im aktuellsten Fall 120 Quadratmeter betroffen. Weitere Becken mit gleichartigen Schadensbildern sind mir bekannt, treten aber juristisch nicht in Erscheinung, da die Schadensbehebung innerhalb der Gewährleistung abläuft.

Die Folgen solcher Schäden sind für unser Gewerbe gravierend: Die öffentlichen Auftraggeber – oftmals Tochtergesellschaften der Kommunen – lassen ihre Schwimmbecken nicht mehr fliesen, sondern weichen auf Edelstahlbecken aus, obwohl diese schrecklich aussehen und ihnen der ästhetische Charme gefliester Becken gänzlich fehlt.

Bereits 2005 waren diese Ablöseschäden ein Thema auf den Kasseler Sachverständigentagen. Damals wurde uns von den Vertretern der Bauchemie vorgerechnet und suggeriert, dass der Einsatz von Verbundabdichtungen für dieses Problem Abhilfe bringen wird. Verbundabdichtungen könnten wegen ihrer Flexibilität auch als Entkopplung in einer Größenordnung wirken, die die Schwindung des Betons aufzufangen in der Lage sei.

Pustekuchen! Die Verbundabdichtung hilft in Bezug auf ein Auffangen der Schwindspannungen nicht.

Kleber haben nicht genug Zeit zum Aushärten

Die keramische Industrie berät mit ihrem Architektenservice wunderbar gestaltete Becken einschließlich Zeichnungen, Berechnungen und Leistungsverzeichnis. Dabei setzt sie auch auf immer maßgenauere Fliesen, die schmalere Fugen ermöglichen. Gleichzeitig sind die Rückseiten der Fliesen immer haftungsfeindlicher geworden.

Die Bauchemie soll mit flexiblen Klebern dieses Manko ausgleichen. Um dies zu erreichen, werden den Klebern immer mehr und immer hochwertigere Kunststoffe zugesetzt. Sie müssen zumindest einmal vollständig austrocknen und aushärten, bevor sie mit Wasser belastet werden können. Wie viel Zeit sie aber für diesen Prozess unter welchen bauklimatischen Bedingungen benötigen, ist nicht genau bekannt und lässt sich daher auch nicht präzise kalkulieren.

Wie lange braucht zum Beispiel ein hochflexibler Kleber, um unter einer Spaltplatte einmal durchzuhärten? In den Produktunterlagen und technischen Merkblättern steht hierzu kein Wort. Dabei ist das Austrocknen und Aushärten vor der Wasserbelastung unbedingt erforderlich, damit der Kleber seine Endfestigkeit und seine anderen zugesicherten Eigenschaften erreicht. Es ist zu vermuten, dass das Becken für den Kleber in der Regel viel zu früh befüllt wird, denn auch im Schwimmbadbau gilt der Satz: „Zeit ist Geld“, und damit haben wir ein Problem. Und noch eine andere Frage treibt mich in diesem Zusammenhang um: Wie verhalten sich die Kunststoffmoleküle unter Dauernassbelastung? Behalten sie in diesem Milieu ihre Struktur dauerhaft bei oder können sich die Moleküle auch wieder aufspalten? Hat das jemals jemand geprüft? Der Kleber auf den abgelösten Fliesen macht jedenfalls nicht den Eindruck, als sei er besonders fest.

Schwachstelle liegt zwischen Kleber und Epoxidharz

Bleibt noch die Sache mit dem Verlegeuntergrund, denn auch hier können mögliche Ursachen für Belagsablösungen liegen. Im günstigsten Fall haben wir einen kugelstrahl- oder sandgestrahlten Beton vorliegen. Auf diesem Untergrund benötigen wir eine Haftbrücke.

Als Aufbau wird oft eine Epoxidharz- Grundierung oder Epoxidharz-Abdichtung  empfohlen. Das bringt aus meiner Sicht zwei entscheidende Nachteile mit sich:

1. Diese Materialien sind sehr spröde und tolerieren keine hohen Schwindspannungen.

2. Die Absandung reicht oftmals nicht aus, um den Haftverbund herzustellen.

Wenn sich in Becken mit so einem Aufbau der Boden löst, tritt die Schwachstelle immer im Bereich zwischen Kleber und Epoxidharz auf.

Belagsablösungen können aber auch vorkommen, wenn als Untergrund ein Verbundestrich vorliegt. Ist nämlich dessen Oberfläche nicht ausreichend tragfähig, kann er die durch Schwindung hervorgerufenen Scherkräfte nicht auffangen. Der Bodenbelag wird sich an dieser Schwachstelle zu lösen beginnen.

Welche Schwindprozesse können Kleber kompensieren?

Die Normen verlangen, dass ein Beton mindestens sechs Monate alt sein muss, bevor Fliesen oder Platten auf ihm verlegt werden können. So lange braucht es nämlich, bis sein Schwindprozess so weit abgeklungen ist, dass die hierdurch auftretenden Scherkräfte in der Regel am Belag keinen Schaden mehr verursachen können. So lange kann und will der Auftraggeber aber nicht warten. Deshalb enthält der Entwurf der DIN 18157 eine Öffnungsklausel: Hiernach kann die Wartezeit von sechs Monaten bis zur angesetzten Belegreife eines Betonuntergrunds unterschritten werden, wenn höher verformbare Mörtel verwendet werden. Wie sehr die Zeitspanne bis zur Belegreife verringert werden kann, ist hierbei abhängig von den klimatischen Bedingungen während der Erhärtungund Trocknungsphase des Betons sowie vom Verformungspotenzial des Dünnbettmörtels. Die Wahl des Mörtels entsprechend den Klassen S1 oder S2 nach DIN EN 12004 richtet sich nach der noch zu erwartenden Restschwindung des Betons. Bei einer direkten Verlegung auf dem Untergrund sollte eine Zeitspanne von drei Monaten nicht unterschritten werden. In Abhängigkeit von der zu erwartenden Restschwindung sind die Größe der Belagsfelder und die Breite der Randanschluss- und Bewegungsfugen vom Planer vorzugeben.

Aber: Können die Spannungen, die durch das Schwinden des Betons nach drei Monaten noch entstehen, tatsächlich durch die Flexibilität von Klebemörteln kompensiert werden? Sind die Schwindverformungen davon unabhängig, ob der Betonkern des Beckens 24 oder 36 Zentimeter dick ist, ob er erdberührend ist oder freihängend? Im Prinzip würde der einfachste Kleber reichen, wenn er die auftretenden Schwindspannungen auffangen kann. Und umgekehrt kann auch ein S1- oder S2-Kleber das Ablösen der Beläge nicht verhindern, wenn die obere Schale aus Fliesen und harten Fugen keine Längenänderung ausgleichen kann.

Ablöseschäden sind auf Schwindung zurückzuführen

Bauchemie, keramische Industrie und Fliesengewerbe sind gemeinsam aufgerufen, diese Probleme schnellstens zu beheben. Denn wenn demnächst nur noch Edelstahlbecken geplant und gebaut werden, verdienen alle Beteiligten nichts mehr. Was wir brauchen, sind Schwimmbecken- Beläge, die auch unter schwierigen Bedingungen halten.

Im Prinzip wissen alle, dass die beschriebenen Ablöseschäden auf Schwindung zurückzuführen sind. Was ist also notwendig, um hier gegenzusteuern?

? Wir brauchen Untergründe, die tragfähig und formstabil sind.

? Der Dünnbettmörtel muss ausreichend Zeit bekommen, um ganz und gar durchtrocknen zu können.

? Wir brauchen Schwimmbadfliesen mit haftungsfreundlicher Rückseite, zum Beispiel Schwalbenschwanz-Profilierungen, wie es sie früher gab.

? Die Fugen müssen mindestens acht Millimeter breit geplant und ausgebildet werden.

Und noch eins: Ganz wichtig wäre auch ein Fugenmaterial, das weich genug ist, um die Schwindung in den Fugen ausgleichen zu können. Die einzelne Fliese wird durch die Schwindung nicht abgelöst. Aber die starre Scheibe aus Fliesen und sehr harten engen Fugen kann die Schwindung nicht ausgleichen. Der Belag stellt sich hoch!

Deshalb ist mein Tipp an die Bauchemie: Wenn wir eine butterweiche Fuge hätten, könnten wir über eine Wartezeit von drei Monaten bis zur Belegreife reden.

Der Autor

Fliesenlegermeister Hans-Willibert Ramrath

führt einen Fliesenfachbetrieb in Korschenbroich und ist seit vielen Jahren als Sachverständiger für das Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk tätig. Er ist außerdem Vorsitzender des Technischen Ausschusses im Fachverband Fliesen und Naturstein.

Millionenschäden : Baupfusch sorgt für Bäder-Skandal in Düsseldorf

Düsseldorf. Bundesweit fallen die Fliesen von den Wänden der Schwimmbäder. Falsches Material und falsche Klebstoffe sollen die Ursache sein. Die Bädergesellschaft Düsseldorf prozessiert.

In Düsseldorf bröseln die Fliesen. Seit 2005. Und nichts geschieht. Die Schwimmer im Rheinbad ziehen ihre Bahnen über einer ständig größer werdenden Abbruchfläche. Auf dem Trockenen befassen sich inzwischen Insolvenzverwalter, Banken, Labore, Gutachter und Gerichte mit dem Fall. Jetzt ist er reif für einen Obergutachter - und stößt auf bundesweites Interesse. Weil überall die Fliesen bröseln.

Am 1. Juni 2000 musste das nagelneue Rheinbad eröffnet werden. Oberbürgermeister Joachim Erwin machte Druck. Die Baufirmen gerieten in Bedrängnis. Der Fliesenleger hatte nicht mehr die Zeit, den Estrich wie vorgeschrieben 28 Tage ruhen zu lassen, damit die Feuchte entweichen kann. Damit nahm das Verhängnis seinen Lauf; aber das muss erstmal bewiesen werden.

Fünf Jahre später, kurz vor Ablauf der Gewährleistungsfrist, unterbrach Düsseldorfs Bädergesellschaft die drohende Verjährung durch eine Klage. Die Baufirma Philip Holzmann war längst in der Insolvenz, der Insolvenzverwalter wollte sich auf keine außergerichtliche Einigung einlassen. Tatsächlich lösten sich Bodenfliesen, „sie schindelten sich auf, sagt Raymond Belcher, Architekt der Bädergesellschaft. Inzwischen sind es etliche Quadratmeter. Der vom Gericht bestellte Gutachter, ein Fliesenlegermeister aus Mönchengladbach, gab Düsseldorfs Bäderbetrieb die Schuld: Weil einmal das Wasser zu Wartungsarbeiten aus dem Becken gelassen worden sei, sei der Beton geschrumpft und die Fliesen gesprungen. Geschäftsführer Rüdiger Steinmetz bot einen Gegengutachter auf: „Es gibt Bilder, die das angewandte falsche Verfahren belegen." Auf diesen Fotos lässt sich zum Beispiel ein Kleber identifizieren, der laut Bädergesellschaft nicht flir Unterwasserarbeiten zugelassen war. „Ein Riesenskandal", urteilt Architekt Belcher. In Berlin, Erfurt und im saarländischen Merzig fallen die Fliesen ab. Vorzeigebad des künftigen Düsseldorfer Bäderchefs Roland Kettler, musste deswegen schließen. Der Schaden in Deutschlands Bädern wird auf Dutzende Millionen Euro geschätzt. Ein mutmaßliches Problem sind die modernen dünnen Fliesen. Sie haften mit glattem Boden durch eine Chemieklebstoff. Früher waren die Fliesen nicht vier, sondern bis zu zwölf Millimeter dick und hatten ein geriffelten Untergrund, der sich im Mörtel förmlich festkrallte. Solche Fliesen wurden 48 Stunden gebrannt, die modernen nur noch zwei Stunden. Die alten halten hundert Jahre (in der Derendorfer Münstertherme), die neuen lösen sich bisweilen kurz nach der Gewährleistungsfrist auf.

Man braucht auch keinen Fliesenleger-Meister mehr, es reicht ein ungelernter Fliesenkleber, der im Akkord arbeitet. „Ein Fiasko im Bäderbau", sagt Raymond Belcher. „Alle sind ins Nachdenken gekommen", so Steinmetz. Handwerk hat in diesem Fall einen bröseligen Boden. Der Profit für Handwerker, Bauchemie und Hersteller dürfen ungleich höher eingeschätzt werden. Das Landgericht Frankfurt, vor dem der Düsseldorfer Fall verhandelt wird, hat seinen ersten Gutachter von seinen Pflichten entbunden. Nun urteilt eine vereidigte Obergutachterin aus Karlsruhe über den mutmaßlichen Bauskandal, der ins zehnte Jahr geht. Und es dauert. Am 30. März 2010 wird zweck Begutachtung das Wasser aus dem Rheinbad abgelassen ...