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Beim Zeus, Kreta hat traumhaft schöne Schwimmbäder

EU-Harmonisierung und Bäder-Norm-Diskussion - Berechtigte Gründe mal übern heimischen Schwimmbeckenrand zu schauen

Dort, wo die Sonne zu Hause ist, auf der griechischen Trauminsel Kreta, dem wohl kostbarsten Urlaubs juwel des Mittelmeeres, vereinigen sich auf geheimnisvolle Weise geschichtstr ächtige Badepfade aus vergangenen Epochen mit Badefaszinationen der Gegenwart und eindrucksvollen Badevisionen der Zukunft. Was wunderts: Tlavra psi (Panta rei) - alles fließt - war schon bei den alten Griechen ein geflügeltes Wort.

Ein Boden voller Vergangenheit

Archäologische Ausgrabungen, stammend aus Europas ältester Hochkultur, z.B. den berühmten Palästen von Knossos, Phaistos und des Nestos, zeugen von einer phänomenalen Badezivilisation, die bereits in der Antike (2000 v.Ch.) ihre erste Blütephase hatte. Die Wiege der Badekultur steht daher nicht, wie häufig angenommen, bei den alten Römern, sondern i n Griechenland - dem Wohnsitz der Götter. Die erst Anfang 1900 begonnenen Ausgrabungen über „Kretas goldenes Zeitalter" förderten neben bedeutenden minoischen Baukünsten gleichzeitig auch imposante Badekulturen mit technisch einzigartigem Raffinement ans Tageslicht.

Außer den prunkvollen Bädern mit edlem Ambiente aus Terrakotta, Marmor, Alabaster inmitten farbenprächtiger Freskenmalerei, erstaunt immer wieder aufs neue die bereits in der kretischen Frühgeschichte vorhandene geniale Wassertechnik. Raffiniert konstruierte Wassersysteme versorgten Städte und Paläste mittels Tonröhren aus bis zu 10 km entfernten Aquädukten bzw. Bergquellen. Auch die Abwasserhygiene stand der Bewässerungstechnik um nichts nach. Weit verzweigte unterirdische Abwasserleitungen, in meterhohen Sammelkanälen mündend, sind eindrucksvolle Zeugen einer bereits damals schon vorhandenen hygienischen Entsorgung.

Im Palast von Phaistos konnten sich die Badenden durch ihre Bediensteten von oben her, als sogenannter lebender Wasserfall, mit dem erfrischenden Lebenselixier Wasser begießen lassen. In Knossos, mit seinem heiligem Bassin und dem ältesten Thron Europas, gab es im Gemach der Königin bereits eine Toilette mit bewässertem Abfluss - vermutlich das älteste Spülklosett der Welt.

Natur & Bade-Kultur

Kreta, der griechische Ferienklassiker, bietet neben geschichtsträchtigen Ausflügen i n eine „sagenhafte" Vergangenheit als Touristenmuß auch ein außergewöhnlich interessantes Urlaubskontrastprogramm.

Malerische, am Berghang klebende Dörfer, erfüllt mit herzlicher Gastlichkeit zum entspannten Verweilen, idyllische Fischerorte mit unverwechselbarer Hafenatmosphäre und würziger Meeresbrise zum Durchat-men, gehören ebenso zum unverwechselbaren Ferienstandard wie unzählige versteckt einsame Meeresbuchten zum ungestörten Relaxen und Schwimmen i n kristallklar azurblauem Wasser.

Daneben erfüllt ein überwältigender Hotelbadezauber nach dem Motto „open air - open end" die kühnsten Badeträume. Sonnenverwöhnende Badeparadiese mit faszinierend imposantem Meerespanorama so weit das Auge reicht, sorgen nicht nur für positive Urlaubsstimmung, sondern machen gleichzeitig den Hotelaufenthalt zum unvergeßlichen Erlebnis. Mit einem Satz: Die Götter haben Kreta nicht nur für Kultur-, sondern auch für Sonnen und Badehungrige „ur(laub)bar" gemacht.

Vom Badezuber zum Badezauber

Die vor Jahren auf dem ägäischen Mittelmeer-Archipel häufig anzutreffenden Hotel-Swimming- Pools mit sich permanent lustvoll verschluckender Skimmertechnik sind in zwischen antike Relikte der Vergangenheit, die man heute nur noch mit archäischem Spürsinn findet. Auch die früher zum festen Schwimmbadbestand gehörenden, mit Catcher und chemischer Chlorkeule unterm Arm bewaffneten Poolmeister sucht man heute in der morgendlichen Frühe bei ihrer sonst obligatorischen Keimpirsch im Reich der Mikroorganismen gleichfalls vergeblich.

Statt der morgendlich gefürchteten Chlordunstglocke und der typischen, nicht nur im Streiflicht der Unterwasserscheinwerfer abschreckenden Grauschleierpracht, serviert man dem Süß- und Meerwasser-Badefan heute ein Wässerchen, das kein chlorgerötetes Auge mehr trübt.

Im Gegenteil: Das kristallklar türkisblaue Badewasser unter ewig strahlendem Sonnenhimmel hat eine magische Anziehungskraft, der kaum ein Badegast widerstehen möchte. Ästhetische Beckenformen von harmonisch schwungvoll rund bis hin zur strengen Geometrie setzen weitere eindrucksvolle Pool-Wohlfühl-Akzente. Zusätzlich gibt's als architektonische Auflockerung die vielfältigsten Überlaufrinnen- Kreationen in den Varianten von Finnische bis St. Moritz & Co. zu bestaunen. Abwechslungsrei-Meerche Wasserspiele und Wasserspielereien steigern nochmals das verlockende Badeerlebnis inmitten überwältigender Fauna und Flora.

Beliebte Bade-Accessoires sind, wie auch bei uns, berauschende Wasserfälle, atemberaubende Wasserrutschen, aktivierende Unterwasser- Massagerotunden und nicht zuletzt die angenehm entspannenden Whirl-Pools.

Baden mit Meeresblick

Dass auch das Ambiente inmitten Natur pur stimmt, dafür sorgen sonnenüberflutete, phantasievoll gestaltete Liegeterrassen mit ästhetischen Pavillons sowie ergonomisch bequemen Relaxliegen unter angenehm schattigen Palmen. Dazu herrlich exotische Erfrischungsdrinks, liebevoll garniert mit taufrischen Blumen und als brillante Hintergrundkulisse die endlose Weite des Meeres, untermalt vom monotonen Meeresrauschen nahegelegener Felsklippen.


Gegen Abend, beim Sprung ins angenehm warme Wasser, sorgt ein sinnebeflügelnder Badekolorit für einen unvergleichlichen Orkan der Gefühle. Wenn die Sonne als Feuerball im Meer erlöscht und gleichzeitig eine erfrischende würzige Brise vom Meer herüberweht und später der Mond am sternklaren Himmel das Wasser geheimnisvoll zum Glitzern bringt, erfasst auch den letzten Wasserabstinenzler die vielgepriesene südliche Badelust.

Totale Pool-Offensive

Weiteren schwerelosen Badeservice vom Feinsten bieten mondäne Marmorpools mit integrierter Cocktailbar, wie in Malia gesehen.

In den Vielsternehotels, abseits vom üblichen Tourismusrummel, z.B. in der Nähe des idyllischen Fischerdörfchen Elounda, wird das Rendezvous mit dem Lustelement Wasser nochmals zur phantastischen Badesafari gesteigert. Sonnendurchflutete, liebevoll gepflegte Meerwasserpools, wie Perlen auf einer Kette gereiht, stellen selbst das Pool-Mekka Amerika, das Land der unbegrenzten Bademöglichkeiten, bei weitem in den Schatten.

So haben First-Class-Hotels neben ihren großzügigen Gemeinschafts-Swimmingpools, als totale Badeoffensive, jedes ihrer ca. 80 Bungalow-Appartements nochmals zusätzlich mit je einem eigenen maßgeschneiderten Pool versehen. Badeherz was brauchst du Meer? Andere Exclusiv- Ferienanlagen bieten direkt integriert im Hotelhauptgebäude, z.B. auf sämtlichen fünf Geschoßebenen, Badeterrassen in voller Hotelfrontbreite bis 60 m und mehr.

Da die Endlospools mit ihrem zum Baden verlockenden saphirblauen Wasser unmittelbar an die nebeneinander angeordneten Appartements grenzen, wird hier der Badetraum vom Bett i n den Pool fast zur Wirklichkeit. Badekunst am Bau oder Poolsyndrom - auf Kreta ist halt alles erlaubt, was gefällt. Bevor's zur (ernüchternden Technik geht, sei folgender Hinweis erlaubt: Wo viel Licht, gibt's auch Schatten. Selbstverständlich hat auch Kreta Schwimmbad-Härtefälle. Nur, wo findet man solche Wildwuchs-Feuchtbiotope mit geheimnisvollem Grauschleier als ungenießbare Bade-Appetitblocker nicht?


Wasseraufbereitung made in Kreta

Wie sieht's denn nun tatsächlich hinter der südlichen Badefassade, d.h. In den Badewasseraufbereitungsküchen unseres EUPartners Griechenland, speziell Kreta, im direkten Vergleich zum technisch weltweit führenden Germany- Design aus?

Zunächst folgende Anmerkungen: Der germanische Homo touristicus fühlt sich erstens in den Schwimmbassins der Ferne poolwohl und empfindet zweitens den südlichen Badespaß keinesfalls als persönlichen Hygiene-Härtetest. Auch an belehrendes Hygiene-Zeigefingerwakkeln besteht nicht im geringsten Bedarf.

Liegt das Badewohlbefinden am sonnigen Ferienumfeld oder sind die Menschen beim Urlaub tanken plötzlich resistenter oder reicht nicht vielleicht doch das Beckenwasser-Aufbereitungsniveau made in Kreta völlig aus?

Tatsache ist, dass so mancher heimische Skeptiker sein blaues Wunder in der herrlichen Mittelmeer- Badeoase erleben würde.

Beginnen wir bei der eckenwasseraufbereitung im allgemeinen und der Beckenhydraulik im speziellen.

Im Gegensatz zu uns, wo man die vertikale Beckendurchströmung bevorzugt, hält man's im Süden mit der Horizontalen". Gemeint ist selbstverständlich die seitliche Beckeneinströmung.

Das Verdrängungswasser fließt kontinuierlich und entspannt in Überlaufrinnen und von dort über Ausgleichsbehälter zur Beckenwasseraufbereitung. Bei kleinen Minipools zur ganz persönlichen Nutzung, z.B. im Appartementbereich, ist die sogenannte Skimmertechnik mit kostengünstigen Oberflächenreinigern nach wie vor weit verbreitet.

Neben vereinzelten Kunststoffbecken sind die Pools in der Regel wasserundurchlässig betoniert und je nach Hotelkategorie farbig gestrichen oder optisch reizvoll gefliest. Die eigentlichen Beckenwasseraufbereitungen sind entweder in ökonomischen Mini-Technikgruften versteckt oder befinden sich in Technikräumen, wo bereits der aufrechte Gang erlaubt ist.

Beim kritischen Betrachten der Filter wird man den Eindruck nicht los, dass die weltweit anzutreffende Filtertechnik, made in USA, auch Kreta fest im Griff hat. Im Gegensatz zu unseren dicken und mannshohen Filtern wirken die Inselfilter bescheiden zierlich rund. So haben z.B. die GFK-Kunststoff-Filter in der üblichen Kugelform mit einer Leistung von 32 m3 / h für Meerwasserbecken folgende Abmessungen:

  • Filterhöhe 1,42 m

  • Filterdurchmesser 1,32 m

  • Filterfläche 0,64 m 2

  • Filterverrohrung DN 50

Zum Vergleich deutsche Norm-Filter mit 32 m3/h Leistung und der für Meerwasser vorgeschriebenen

  • Filtergeschwindigkeit von 20 m/h

  • Filterhöhe ca. 2,20 m

  • Filterdurchmesser 1,40 m

  • Filterfläche ca. 1,50 m 2

  • Filterverrohrung DN 80

Anstelle weniger großer Filter, wie bei uns üblich, sieht man im Süden ganze Filterbatterien - wie Perlen auf einer Kette - in den o.g. Abmessungen. Auch unsere kostenaufwendige Filterverrohrung mit Absperrklappen zum automatischen Filterbetrieb für größere Anlagen sind auf Kreta unüblich, da man ökonomisch manuelle Kunststoff-Mehrwegeventile D N 50 verwendet.

Ohne Chemie geht's nie

Die chemische Wasseraufbereitung besteht in der Regel aus der Flockung, Chlorung und pH-Korrektur. Das entspricht der Verfahrenskombination unserer Bäder-DIN 19643.

Bei größeren Schwimmbecken- Wasseraufbereitungsanlagen ist die Messung und Regelung der Hygiene- Hilfsparameter Chlorung und pH-Korrektur automatisiert. Die Desinfektion erfolgt üblicherweise mittels pumpendosierter Natriumhypochloritlösung. Bei Meerwasser verwendet man zur Desinfektion auch das bei uns bekannte und in der Norm zu findende Verfahren der Durchlauf- Chlorelektrolyse mittels elektrischem Gleichstrom.

Alles in allem betrachtet ist die chemisch bakteriologische und physikalische Schwimmbecken-Wasseraufbereitung bei unseren südlichen EU-Partnern, um es mal sportlich salopp zu formulieren, schlank und fit und sicherlich auch ausreichend. Andernfalls müßten die diagnostizierten Infektionsraten bei den Mittelmeer-Urlaubern signifikant ansteigen, wobei es offizielle Negativ-Statistiken scheinbar nicht gibt. Bis dato muss der Fairneßkodex gelten, dass ein Mittelmeer- Badeurlaub keine lebensgefährliche Gesundheits- Odyssee ist.

Fazit: Griechenland, Mutter Europas, hat nicht nur seine historische Aufgabe erfüllt, sondern offensichtlich auch seine Gegenwart fest im Griff.

Deutsches Badenorm-Orakel

Überträgt man die o.g. Überlegungen bzw. den herzerfrischenden Badewasser- Aufbereitungskontrast im grenzübergreifenden Europa life auf das Chlor-Niedrigstland

Deutschland, stellen sich von Fragen.

Warum gibt's z.B. keine internationalen und europäischen Aktivitäten und Initiativen im Bäder- Normbereich als grenzüberschreitenden Hygiene- Augen-öffner für unsere proaktiven Normspürnasen? Ein Pool-Wohlfühl- Info-Import wäre als Mittel gegen drohenden Realitätsverlust sicherlich sehr heilsam, besonders im Hinblick auf das heimische Hygiene-Solo, wo man einen bereits sehr hohen technischen und chemischen Qualitätsstandard gnadenlos immer weiter überdreht.

Drum steht euch das (Bade)Wasser bis zum Hals, laßt ja nicht den Kopf hängen. Kreta, die Trauminsel im grünen Meer, dokumentiert nämlich in heilsam überzeugender Weise, daß es berauschende Badelust statt angstverbreitenden Hygienefrust jenseits der deutschen Stand-by-Normbegehrlichkeit tatsächlich noch gibt.

 

Ch. Saunus

IKZ-HA USTECHNIK • Heft 18/98