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Planungskriterien öffentlicher Toiletten

Alle tun es. Ja, sie müssen (es) sogar, Menschen, auch Übermenschen, Tiere, Vögel, Fische, Insekten und Mikroorganismen machen es manchmal auch. Denn schließlich hat alles seinen Grund. Manches sogar einen Abgrund. Derartige Abgründe tun sich bekanntlich für den Homo sapiens in den Niedrigkeiten öffentlicher Toiletten allerorten auf. Was wundert, öffentliche Einrichtungen sind nun mal alles andere als ein Hort fäkaler Hochkultur. Folglich hat das schier endlose Klischee vom demütigenden Büßergang aufs Hygiene-Schafott nach wie vor seine Gültigkeit. Daher soll aus aktuellem Anlaß die Frage nicht unbeantwortet im (WC)Raum stehenbleiben: Ist das Hygiene-Handicap auf dem stillen Örtchen tatsächlich so dramatisch wie behauptet, und wenn ja, wie sieht die Zukunft aus?Der Teil 1 schildert zur thematischen Einstimmung die allgemeinen WC-Befindlichkeiten bei der Inanspruchnahme von „Bedürfnisanstalten" öffentlichen Rechts, lesefreundlich aufbereitet, und im Teil 2 (SHT/10) geht es dann rein praxisorientiert um Planungskriterien öffentlicher Toiletteneinrichtungen.

Toiletten-Design im Wandel der Zeit (Teil 1)


Bleibende Erinnerung

Der vertraute Gang zur häuslichen Hygienesitzung ist in unserem Clean- Zeitalter bekanntlich nur noch reine Wahrnehmungs-Routine. Anders hingegen beim Betreten öffentlicher Toiletten. Da drangvolle Interaktionen auf der abgewandten Seite des Lebens in der Regel nicht spurlos stattfinden, geht es in diesem anrüchigen Milieu bisweilen auch ganz schön ekelerregend zu. Daher herrschen beim abgegriffenen Logo „öffentliches Klo" in puncto Assoziationen nach wie vor emotionale Fesseln, bei denen sich sofort alle Sinne sensibilisieren. Solche instinktiven Schutzreflexe kommen schließlich nicht von ungefähr. Dem Fäkalbedrängten wird nämlich bei der unvermeidbaren Bedürfnisbefriedigung quasi immer wieder von neuem bewusst, welchem primitiven Megakosmos menschlicher Befindlichkeit er sich beim Abenteuer öffentliches WC auf Gedeih und Verderb ausliefert.

Trotz unseres hygienisch anspruchsvollen Moralkodex ist die eindrucksvolle Sittengeschichte der öffentlichen Fäkalbefreiung nach wie vor ein düsteres Kapitel. Und nicht nur das. Wie der augenöffnende Schmunzelbeitrag hautnah verdeutlicht, ist das schwer kommunizierbare Tabu-Thema alles andere als triviale Weichspül-Lektüre für zartbesaitete Gemüter. Will man die schmierige Vergangenheit historisch kontaminierter Toiletten nicht nur einfach als ästhetischen Schock kunstvoll übertünchen, sondern schaut man einmal näher unter den Klodeckel, liest sich die literarische Klammer um den öffentlichen WC-Bereich bisweilen wie ein Horror-Trip. Doch es gibt auch eine positive Seite.

Denn statt der allseits gefürchteten Lokus- Härtefälle mit symbolischem Gesäßtritt direkt in die schmerzliche Po- Ebene nach der Fluchtmaxime: „Servus, wisch & weg" zeichnet sich zumindestens in einigen Image-Bereichen inzwischen eine erfreuliche Trendwende in Richtung Wohlfühl-Intimzellen ab. Wir erinnern uns: Am Anfang war der epochale Urknall im Nichts, es folgte die globale Staubwolke, und anschließend kam das Steppen-WC zum Vorschein, ein kraterförmiges Bodenloch mit zwei Stöcken; einer diente als Stütze, der andere zum Verscheuchen der Wölfe. Infolge der Zivilisation entwickelte sich der Freiluft- Donnerbalken dann zum intimen Plumpsklo-Häuschen mit Herz. Endlich bescherte anno 1700 dann das Spülklo mit integrierter Wasserschwemme und geruchsblockierendem Siphon der Spezies Mensch die totale Fäkal-Befreiung. Und damit war faktisch der Abort bzw. das „Spül-Klosett" mit hochhängendem Wasser- Reservoir als Hygiene-Wegbereiter zur Aufnahme menschlicher Abscheidungen geboren. Blubb!

Seither gilt die Toilette nicht nur als sozialhygienische Leitwährung, sondern die unerschöpfliche Ressource „öffentliches Klo" bietet gleichzeitig auch einen schier grenzenlosen Freiraum zur kreativen Verwirklichung

Endlich: Lady P. ist da!

Und überhaupt, die Toilette ist eine der wenigen völlig neutralen Einrichtungen, bei der man und frau ganz zwanglos ohne Geschlechterdiskriminierung persönlichen Geschäften nachgehen kann. Übrigens ist die zusätzliche Pissoir-Ausrüstung auf Herren- Klos kein anmaßendes Macho- Statussymbol, um provozierend die Männlichkeit heraushängen zu lassen, wie die Töchter des Feminismus angesichts einer fehlenden Pipinella (Die Schutzrechte des Wortbegriffes „Pipinella" für Damen-Urinale sind vom Autor bereits beim Deutschen Patentund Markenamt angemeldet.) evtl. argumentieren. Mit der männlichen Erleichterung (Urinal) will man lediglich im doppelten Wortsinn das Übel an der Wurzel packen, zwecks Optimierung ausschweifender Streukreise spritziger Stehpinkler.

Denn die allgegenwärtige Harnstoff- Restfeuchte auf öffentlichen Klos hat seinen genetischen Ursprung weniger im unsachlichen Händling, sondern beruht vielmehr auf unkontrolliertem Sprüheffekt. Die raumgreifende Wirkung des ungebremsten Harnstromes richtet sich nämlich nicht nur nach dem Pendelausschlag, sondern auch nach der geodätischen Aufprallhöhe und der ballistischen Treffsicherheit. Folglich bekommt das starke Geschlecht sein unwiderstehliches Weichteil mit einem hochhängenden Urinal wesentlich einfacher in den Griff als bei einem tiefhängenden WC.

Doch nichts ist unmöglich. Wenn man den Historikern glauben darf, urinierten in Ägypten die emanzipierten Frauen generell nur im Stehen. Über daraus evtl. resultierende Risiken und Nebenwirkungen liegen allerdings keine authentischen Überlieferungen vor. Übrigens hatte man in Deutschland bereits um 1900 zur Gleichstellung der weiblichen Bedürfnisbefriedigung emaillierte Damen-Pissoire nicht etwa als Spaßobjekt entwickelt, sondern zum bequemen Sitzen.

Inzwischen hat, wie häufig im Leben, die Vergangenheit die Gegenwart bereits wieder eingeholt. Denn wie auf der weltgrößten Sanitär- und Heizungsmesse „Inter-Klo" in Frankfurt kürzlich zu bestaunen, geht der langersehnte Traum vom Stehurinal für die emanzipierte Damenwelt nunmehr endlich in Erfüllung.

Das von dem niederländischen SaSanitär- Porzellanhersteller Sphinx unter dem sinnebeflügelnden Produkt-Label „Lady P." als Weltneuheit kreierte Wand-Urinal „only for women" entspricht, wie die heiße Zentralperspektive eindrucksvoll demonstriert, funktional vollkommen der weiblichen Anatomie. Die noch etwas gewöhnungsbedürftige Benutzung der Lady P. erfolgt im Gegensatz zur männlichen Position mit dem Rücken zur Wand völlig kontaktfrei in einer Art entspannt schwebender Skifahrer-Pose nach der sportlich lockeren Devise: „Nicht impulsiv wedeln, sondern voll Schuß." Das anwenderfreundliche Funktions-Design des Damen-Standys mit hygienisch trennender Schnittstelle zwischen Mensch und Porzellan in praxisbewährter Höhe von 55 cm ermöglicht Benutzerinnen in leicht angewinkelter Hocke eine komfortabel enge Beinstellung bei optimalem Einstrahlwinkel.

Eine rückwärtige Beckenabrundung fungiert für den Fall der Fäle als „circle of security" (Absturzsicherung). Gleichzeitig signalisiert die abgeschrägte Paßform Debütantinnen unmißverständlich, dass es sich bei der Konstante Pi nicht um eine altbackene Sitzeinrichtung handelt, sondern um eine anatomisch optimale Problemlösung mit einer hygienisch-psychologisch völlig neuartigen Lebenserfahrung. Das dazu passende, ebenfalls von der Firma Sphinx entwickelte Ambiente basiert auf einer subtilen Balance zwischen Offenheit und Intimität. Halbhohe Sichtschutzelemente aus satiniertem Glas schaffen in intensiv genutzten Sanitärräumen eine optische Halbtransparenz zwecks Risikominimierung anonymer Spurenhinterlassenschaften.

Wenn sich die Produktvorstellungen erfüllen, gibt es künftig dank Lady P. keine nervenden Warteschlangen mehr vor Damen-Toiletten, und folglich kommt die Weiblichkeit auch nicht mehr in die drangvolle Versuchung, mal schnell für kurze Zeit auf dem gähnend leeren Herren-Klo zu verschwinden. Trotz staatlich sanktionierter „Notstands- Gesetze" begegnen einem bei der unangenehmen Pflichtausübung in öffentlichen Bedürfnisanstalten immer wieder an verbale Körperverletzung grenzende Gesamtkunstwerke des Schreckens. Dabei wäre das ganze Thema gar nicht so dramatisch, wenn einen die unkontrollierbare Macht des Faktischen nicht prompt zur gefürchteten Unzeit einholen würde. Irgendwann erwischt es nämlich jeden. Denn wie der Evolutions-Zufall es will, ist das geschlechtliche Selbstverständnis drangvoller Grundbedürfnisse bei Frauen nicht signifikant anders als bei Männern.

Geschäft mit Ironie

Bekanntlich hat alles seinen Preis, und der ist bei innerstädtischen High-End- Bedürfnisinseln besonders heiß. Nach dem Cash-flow-Motto „Inklusive Schmerzensgeld plus Schmutzzulage" gibt's bekanntlich bei einigen supermodern aufgemotzten City-Kotflügeln regelmäßig Toröffnungspanik. Nämlich dann, wenn sich, wie unlängst geschehen, die Türe zum Prachtboulevard wie durch Geisterhand vor aller Augen öffnet, bevor der jungfräuliche Schaffungsprozeß endgültig abgeschlossen ist. Denn wer zu langsam ist, den bestraft die offene Klotüre.

Wird nämlich das Mißbrauch verhindernde Zeitlimit durch unvorhersehbare Unpäßlichkeiten aufgezehrt, Stichwort: „Flatologie" (altdeutsch Durchfall), ist es aufgrund der automatischen Offenbarung mit der intimen Verschlußsache endgültig vorbei. Denn so ein ungewollt tragikkomischer Live-Einakter mit dem öffentlich zelebrierten Strip-Titel „Sesam, öffne dich!" provoziert durch exhibitionistisches WC-Shooting in urkomisch lasziver Leidenspose zweifelsohne hochinteressante Spanner- Pikanterien vom Allerfeinsten.

Doch das ist nur die eine Seite der abrupt geöffneten Toilettentüre. Häufig sind städtische Bedürfnispavillons nämlich nicht nur rar gesät und in der Regel ästhetisch bereits tot, sondern teilweise sind die brüskierenden Schandflecken durch unrealistische Öffnungszeiten für den Ansturm des öffentlichen Nahverkehrs rigoros wegrationalisiert. Nicht selten setzt man durch offizielle Schließung der musealen Anlaufstellen den unverschuldet in Bedrängnis geratenen Bürger mit seinen unsäglichen Qualen auch noch strafverschärfend ultimativ vor die Tür. Aufgrund solch gnadenloser WC-Diktate muß die gehetzte Menschlichkeit dann mit verkniffenem Fahndergesicht versuchen, frustriert in Kollapsnähe anderweitige Enklaven aufzustöbern.

Angesichts solch schikanöser Behörden- Niedertracht und skandalöser WC-Infrastrukturen stellt sich irgendwann die Sinnfrage: Warum gibt es für orientierungslos im unwirtlichen Großstadt-Dschungel umherirrende Sprengsätze auf zwei Beinen keinen kartographischen Klo-Atlas mit rettenden Fluchtwegen. Oder für pfiffige Laptop-Fans, die heimische Schleichwege zur ersehnten Endstation Sehnsucht nicht blind an die Klagemauer pinkeln können, keine geographischen CD-Marschroutenführer mit maßgeschneidertem Streckennetzwerk, um hartnäckige Fremdenverkehrsprobleme auf elegante Weise zu lösen? Wie kürzlich auf der Computermesse CeBIT vorgestellt, gibt es bereits ein ferngelenktes Navigationssystem „Weg & Ziel" für Fußgänger. Das satellitengesteuerte Positions-System (ähnlich wie für Autos) mit integriertem Trägheits-Navigator bestimmt auf den Meter exakt den eigenen Standort. Somit bedarf es nur noch weniger technologischer Schritte bis zum Erreichen des fäkalen Stauendes. In dieses anrüchige Bremsspur-Milieu paßt auch die folgende Meldung mit „C-factor" (Cleverness-Faktor): In Norddeutschlands Hauptstadt Kiel belaufen sich die jährlichen Unterhaltungskosten für elf Örtchen - man lese und staune - auf 1,5 Millionen Mark. Nach der vollmundigen Devise „Hosen runter, sorry, Kosten runter - Qualität hoch" beabsichtigt man ein privatisierendes Imagelifting mit 100 Prozent Verpackungsdesign. Gleichzeitig will man auch noch zehn behördliche Klo-Planstellen, sozialverträglich versteht sich, einsparen. Donnerwetter! In anderen Städten und Gemeinden sieht die bedrückende Grundversorgungsmisere für zusammengepreßte Beine sicherlich nicht viel rosiger aus.

Mega-Tatort WC

Auch wenn das gewaltige Klosett des Daseins mit seinen Wasserwirbeln der Erinnerungen bisweilen wie eine mondäne Kloake anmutet, sind die unergründlichen Pfade im menschlichen Torso bei der leichtverderblichen Nahrungsauf- und -abgäbe immer dieselben. Ob fürstliches Vielgänge-Menü oder originäre Bratwurst, ob Chablis Premier Crux oder Selters pur – nach druckvoller Talfahrt durch die verschlungenen Dick- und Dünndarmwindungen ist das unappetitliche Endprodukt verbaler Absonderung immer gleich. Das Gleichheitsprinzip gilt anatomisch korrekt auch für die zurückgelegte Strecke der energetischen Rektal-Charge. Denn die Fast-Food- Dosis mit einem täglichen Durchschnittsgewicht von 100-500 g legt während des chemisch-physikalischen Aufbereitungsexkurses im menschlichen Schmelztiegel bis zum Erreichen des am Rumpfende befindlichen Schließmuskel-Austritts exakt fünf Meter zurück.

Der feine Unterschied bei der organischen Konfiguration (Altlast) besteht, von kunstvoll gezeugten Deformationen einmal abgesehen, lediglich in der anatomischen Legierung, d.h. in den Lockstoff-Duftnoten, dem Kolorit der brezelförmigen Exkremente und seinen verwursteten Aggregatzuständen, von flüssig über geschmeidig bis zäh. Sicher, harte Worte für eine weiche Masse, aber wie will man sonst das betroffene Schweigen beim sorglosen Umgang mit den menschlichen Schadstoff-Emissionen nachhaltig durchbrechen?


Auferstanden aus Latrinen

Das Böse hat bekanntlich einen Namen: „Öffentliches Bedürfnis!" Denn wer aus der Not geboren als Fäkal- Sünder den anrüchigen Beichtstuhl im Zentrum öffentlicher Allmacht als letzte Instanz konsultieren muß, um in heiliger Mission seine (be)drückende Leidenslast abzustreifen, bekommt vor der rituellen Audienz unweigerlich einen kalten Schweißausbruch. Schließlich weiß nämlich kein Verdrängungs- Triebtäter vor der inquisitorischen Erlösung, welche emotionale Offenbarung ihn im magischen Heiligtum der Bedürfnisse tatsächlich erwartet. Denn nicht von ungefähr fallen unzählige „WC-Pilger" angesichts klerikaler Seelenkonflikte aufgrund kontaminierter Toiletten allerorten von ihrem (Hygiene-)Glauben ab.

Denn ob in der abgelegenen Provinz, auf Autobahn-Raststätten, im Groß-Stadtgetümmel oder Vielsterne-Hotel, der Erwartungs-Horizont gegenüber der Stätte der Verrichtung bzw. Vernichtung ist zwischen Hoffen und Bangen weit gespannt. So geht die Werteskala im sensiblen Seelenlabyrinth auf dem Weg zur Glückseligkeit von Neugier über Skepsis bis hin zur prüden Abneigung.

Bekanntlich schlägt die Stunde Null bzw. die der Wahrheit beim globalen Befreiungskampf spätestens nach dem Öffnen der Schwingtür, wenn nämlich das Auge des ahnungslosen Betrachters echauffiert auf das spirituelle Naßzelen-Refugium prallt. Daß das Wirkspektrum bzw. der Moralkodex öffentlicher Hygienestationen so vielfältig ist wie die herrschenden Vorurteile, verwundert nicht sonderlich. Schließlich erkennt man gepflegte Toiletten mit einem einzigen Blick. Ungepflegte auch. Was jedoch dem Homo- Fäkalus, bzw. Urinus auf dem Gewaltmarsch durch öffentlich-rechtliche Instanzen bis zur endgültigen Zwangs-Verknappung teilweise als Interieur oder treffender als Corpus-Delicti angeboten wird, hat häufig eher etwas mit Ausnahmezustand statt mit moderner Stuhlganghygiene zu tun.

Abtauchen oder Eintauchen?

Dazu die (selbst verfaßte) augenöffnende Pressemeldung aus einer regionalen Tageszeitung unter der Rubrik „Saustall des Monats" mit dem wegweisenden Titel: Es stinkt zum Himmel! Verspürt der Reisende immer druckvoller sein menschliches Bedürfnis, führt der Geruchssinn nicht selten direkt in den hygienischen Abgrund, bei dem dann das Wort Desaster noch euphorisch klingt. Schließlich wartet im Bahnhofs-Abort, umgeben von der narkotisierenden Miefgas-Duftnote Marke 00, das schiere Grausen. Unzählige Urinpfützen, Zigarettenkippen, zerbrochene Flaschen, Plastiktaschen, glibberige Fragmente o. ä. Plankton verunzieren den gesamten Boden, man muß befürchten, auf der allgegenwärtigen Leimroute festzukleben. Das katastrophale Art d'eco überstrapazierter Sanitär-Skulpturen hat bereits seit längerem seinen funktionalen Geist aufgegeben und dämmert als verkrustetes Treibgut in der vergammelten Provo-Latrine seinem elenden Ende entgegen.

Ist bereits der Leidensdruck unverkennbar ins Gesicht geschrieben und der brachiale Sachzwang größer als der ethische Gewissensdruck, gibt es bekanntlich beim Ballastabwurf kein Halten mehr. Folglich hindert selbst der unübersehbare Hinweis „closed" in Not Geratene nicht am zivilen Ungehorsam, denn bekanntlich liegt in der Tragik auch die Chance. So wird nach dem Motto „Tür auf - Tür zu" das unaufschiebbare Geschäft mit unüberhörbarem Fluch „verdammte Scheißkiste" ohne Anwärmphase im sogenannten Kaltstart rasch außerhalb der überquelenden Kloschüssel verrichtet. Wer denkt schon in so einer bedrohlichen Notsituation daran, den Ort der Verrichtung spurlos zu verlassen. Schließlich ist der Weg bereits das Ziel, selbst auf die Gefahr hin, daß nach verrichteter Notdurft der hermetisch geflutete Hochsicherheitstrakt im Morast versinkt.

Doch es kommt noch dicker respektive dünner. Direkt neben dem schnellen Brüter lauert nämlich bereits Urinus, die gelbe Gefahr, ein urinsteinverseuchtes Pissoir mit ebenfalls überschrittener Sättigungsgrenze. Angesichts so einer randvollen, äh, drangvollen Atmosphäre denkt man vorm ultimativen Blankziehen unwillkürlich an die phallische Prahlerei: „Tritt näher, er ist kürzer als Du denkst!" Kurz und gut. Nur was helfen flotte Händling- Sprüche Zukurzgekommener, wenn nach dem Vulkanausbruch bereits unaufhaltsam zähflüssige Lava fließt? Folglich versucht die körperflüssigkeitgepeinigte Männlichkeit wild entschlossen, den Strahl der Qual in Form einer drangvollen Salve mit beherzt zupackendem „Jürgen würgen" auf die Schnelle anderweitig abzufeuern.

Nach dem eleganten Umkurven der mit dampfenden Körpersäften überfluteten Lustobjekte kollabiert vis-ä-vis aus einer randvollen Waschkumme permanent übelriechendes Seifensekret auf den urinimprägnierten Boden. Angesichts der überschwappenden „Verbalnot" und dem riskanten Umschiffen vergurgelter Stromschnellen wäscht sich der erfahrungsgesättigte WC-Besucher, bereits im eigenen Angstschweiß badend, kurzerhand seine Hände in Unschuld, bevor er vollends in der ausufernden Kloakenschwemme versinkt. Nach bravourös überstandener Schlammschlacht- Odyssee mit geruchsbetäubender Aroma-Therapie sucht der geschockte „Fahrgast" gemäß dem Slogan „er wandte sich ab mit Grausen" hastig auf Nimmerwiedersehen das Weite. Und was meint nun die scheinbar wasserfeste Service-Direktion der Endstation Selbstsucht zur abschreckenden Orgie des Grauens: „Reisende mit Motivproblemen soll man nicht aufhalten!"

Das erinnert stark an die Weisheit: Große Ereignisse gebären große Worte. Drum sei's drauf geschissen, aber heftig, auf diesen arroganten Verdrängungskurzschluß, versteht sich!

Eine Hand wäscht die andere

Schuld an der hygienischen Sittenverrohung sind jedoch nicht nur niveaulose WC-Ausrüstungen, sondern bisweilen liegt es auch an der nicht korrekten Handhabung. Wie repräsentative Kloforschungsergebnisse auf frischer Tat ertappter Probanden nämlich zweifelsfrei dokumentieren, verzichtet eine wider Erwarten hohe Besucherzahl - darunter auch sehr vornehme Mitbürger, versteht sich - aus reiner Bequemlichkeit o. ä. Sachzwängen nach dem obligatorischen Abschlagen aufs anschließende Reinwaschungs- Ritual. In der hehren Annahme „Geben ist seliger als Nehmen", wäscht so eine Hand die andere und an beiden bleibt - nach dem Motto „Schöne Grüße aus der Unterhose" was kleben. Igitt!

Labordiagnostisch ausgewertete sogenannte hygienisch-bakteriologische Abklatschproben, entnommen von Selektivnährböden wie z. B. Türklinken öffentlicher Toilettenanlagen bestätigen nach einer 24stündigen Bebrü-tung bei 37 °C ein bereits befürchtetes, nicht zu unterschätzende Gesundheitsrisiko.

Daher empfiehlt es sich, bei Zeitgenossen, die sich mit verstohlener Unschuldsmine aus Toiletten schleichen, vorm vertrauten Shakehands Glacehandschuhe als Schutzpräser anzulegen oder, falls nicht zur Hand, vorsorglich mal kurz kritisch die Restfeuchte im Waschbecken zu prüfen. Bestätigt die Spurensuche allseits herrschende Trockenheit, ist bei den „Gefaßten", juristisch gesehen, der Tatbestand seuchenhygienischer Handgreiflichkeit erfüllt, bzw. es besteht die akute Gefahr gegenseitiger Keimbefruchtung. Oder?

Der Beweis: In Frankreich deckte kürzlich ein Fernsehteam auf, daß sich an unzähligen auf Bistro-Tresen stehenden Schüsseln mit Knabberkram zweifelsfreie Urinspuren befinden.

Der Stuhlgang wird härter

So (relativ) ruhig wie bisher wird es daher künftig auch bei uns auf der letzten Intim-Oase mit Sicherheit nicht mehr zugehen. Denn der Stuhlgang wird härter. So ein „Terminus technicus" der heimischen Sanitär-Avantgarde.

Da man inzwischen erkannt hat, daß der Wohlfühl-Hygiene-Trend der Todfeind anachronistischer Toilettenbefindlichkeit ist, wird an der bisher seelenlosen WC-Front für die letzte Fäkalschlacht bereits werbewirksam aufgerüstet. Konservative Bremsleuchten, die aufgrund ihrer limitierten Kreativität nicht rechtzeitig zu Potte kommen, werden daher künftig vom kommerziellen Toiletten-Rausch zwangsläufig weggespült.

Um die zwischenmenschliche Zwanglosigkeit zu fördern, geht man nunmehr auch bei uns zukunftsschwanger immer mehr dazu über, den inzwischen salonfähigen „Restroom" als gebrauchstauglichen Treffpunkt für Business-Community aufzustylen. In Zeiten postmoderner Beliebigkeit geht es nämlich nicht mehr darum, wie die Dinge sind, sondern der Schein bestimmt das (Profit-)Bewußtsein. Und wie zu hören, läuft das monetäre Geschäft mit dem intimen Geschäft auf dieser neuen gesellschaftsphilosophischen Bewußtseinsebene ausgezeichnet. Denn gemäß dem geflügelten Wort: „Non olet" (es stinkt nicht) löst Geld heute selbst auf dem Klo keine Geruchsbelästigungen mehr aus. In den kreativ hochgerüsteten WCFlirt- und Kontaktbörsen florieren nebenher nicht nur das einträgliche Wcwear- Shopping-Geschäft mit kostbarem Tonikum und edlem Make-up prächtig, sondern auch die darüber hinausgehenden Info-Dienstleistungen. So spülen großformatige Werbeflächen im attraktiven Ort der Emotionen kontinuierlich auch noch zusätzlich ein beträchtliches Sümmchen in die Kasse der Betreiber.

Damit die monetäre Botschaft in der einst werbefreien Zone sowohl stehend als auch bequem sitzend richtig rüberkommt, bietet z. B. die innovative Agentur „ToiAd" (Toilet Advertising) bereits im Internet unter: http://www.toilad.at www.toilad.at per Website Werbe-Vermittlungsaufträge für Österreichs öffentliche Örtchen an. Inzwischen fährt auch die deutsche Werbung sowohl in der Elektronik als auch in den Printmedien voll aufs stille Örtchen ab. Sogar der renommierte Porzellanhersteller, die Firma Villeroy & Boch, hat, der Sanitärmaterie seelenverwandt, dem hochaktuellen Thema gleich eine ganze handsignierte Fliesendekor- Kunstkollektion gewidmet.

Kollektiver Stoffwechsel mit Wirkung

Lebende Fische in transparenten Spülkästen, transluzente WC-Glaskabinen, die sich erst beim Betreten undurchsichtig verfärben, Formaldehyd-Aquarien mit erstarrter Meeresfaszination, akustisch untermalte Naturlandschaften, projiziert auf rauschenden Wasserwand- Pissoiren oder individuelle Eiswürfelkunst in phantasievoll gestalteter Urinalkreation (Pipi on the rocks) für ultimative „Ice-Pinkler" – die Phantasie triumphiert, der Showdown vor Ort ist grenzenlos.

Raumschiff Inter - Klo

Münchens abgefahrenstes Örtchen revolutioniert nicht nur die Geschichte der menschlichen Notdurft, sondern bietet gleichzeitig auch reichlich Stoff für intergalaktische Höhenflüge. Virtual Reality ist in. Läßt sich der anspruchsvolle Gast des Szene-Lokals „Nage & Sauge" von dem wegweisenden „Follow me" provozieren, sitzt er wenig später live als gecasteter Aeronaut interaktiv an dem Starthebel der Fäkal-Allmacht, um als Klo-Commander schwerelos über dem Sanitär-Himmel geschickt an den höllischen Entwässerungs-Schlund anzudocken.

Doch keine Angst, die Entsorgung der Exkrementen-Fracht direkt aus der galaktischen Umlaufbahn erfolgt nicht etwa unkontrolliert als Apokalypse in die unendliche Tiefe des Raums, sondern die Ursuppe fließt zielsicher im freien Fall nach den hydraulischen Gesetzen der Erdanziehung direkt in die WC-Pipeline. Aber das ist auch das einzige, was im schwebenden Klosett-Raumkreuzer mit der Startrampe im Münchner Terminal Mariannenstraße 2 an traditionelle Toiletten-Gepflogenheiten ennnert.

Übrigens lag der epochale Schöpfungsakt des futuristischen Raumschiffs „Inter-Klo" mit seiner extraterrestrischen Erlebniswelt imOrbit-WC in den kreativen Händen des innovativen Interieur-Designers Matthias Andione.

Im Cyberspace funktioniert das wasserspendende Equipment nicht etwa durch Betätigung originärer Ventilgriff- Bedienelemente. Sondern das Lebens-Elixier H20 wird wie von Geisterhand mit Hilfe geheimnisvoller Hebel-Technologie gesteuert, damit die kostbare Meteoriten-Fracht, geschütztvor sphärischer Hybris, wohlbehalten in die Underground-Einflugschneise versickern kann.

Innerhalb der übersichtlichen Kommandozentrale ermöglichen flimmernde Monitore mit integrierten Service- Modulen dem Homo-Fäkalus eine multiperspektive Geschäftskontrolle direkt vom vollelektronischen Energiesitz aus. Angesichts der visuell verschlüsselten Wand-Intarsien mit geheimnisvoll chiffrierter Hieroglyphen-Symbolik befällt den Astroiden nach der Verrichtung seines irdischen Geschäfts zwangsläufig die Panik: „Kacke, jetzt habe ich den Code fürs Papier vergessen." Doch dann fällt der verzweifelt suchende Blick auf den rettenden Hygiene-Safe der Marke „Servus, Wisch &Weg". Denn kein großes Geschäft ohne Papierkram und keine Sitzung ohne Erfolgserlebnis.

Selbstverständlich hat man beim phantastischen Flug durch Raum und Zeit auch an das kleine Geschäft gedacht. So gibt es zur Entsorgung der männlichen Erleichterung ohne die allseits gefürchteten Streuverluste einen elektronischen Richtsensor zur

optimalen Positionierung. Gleichzeitig kontrolliert ein „hitzebeständigen" Blackbox-Standy mit integrierter Digitalanzeige simultan das herrschende Temperaturniveau im kosmischen Strahl.

Da auch in der grenzenlosen Biosphäre des Mikro-Kosmos WC die unumstößlichen Gesetze der Intimhygiene gelten, hat man selbstverständlich auch für diese Zwecke entsprechende Bordmittel parat. Neben der Geschlechter-Seife gibt es eine filigrane Edelstahl-Kollektion mit überdimensionalem Wandauslauf und maskuliner Armhebelbetätigung für hypercleanes Hygiene-work-out. Erleichtert von der bedrückenden Last aus dem abgehobenen Sinnkosmoswieder in die reale Endlichkeit eingetaucht, erwartet den kosmischen Navigator im meist vollbesetzten Szene-Treff ein bodenstän- diges Bayern-Bier mit irdischen Preisen.

Die in der psychedelischen Science- Fiction-Schmozette beschriebene Künstleredition gibt es tatsächlich live in der Münchner Trendkneipe Nage & Sauge, Mariannenstraße 2, täglich von 17.00 - 1.00 Uhr zu bestaunen.

Wie schwierig die anspruchsvolle Konstruktion eines richtig funktionierenden Weltraumklo tatsächlich ist, verdeutlicht die folgende Kurzmeldung aus einem renommierten Fachmagazin: Nachdem der Kapitalismus und der Sozialismus immer wieder kläglich an den menschlichen Organismen gescheitert sind und sogar Raumflüge wegen der außer Kontrolle geratenen Fäkalisierung abgebrochen werden mußten, fand erstmals Anfang 1993 die Premiere einer funktionstauglichen Astronauten- Toilette statt. Mit Herstellungskosten von 38 Millionen Mark zweifellos das teuerste Klo der Welt. Der Shuttle-Prototyp „Extended Duration Orbiter Improved Waste Collection System" (EDOIWCS) ist optisch eine Mischung aus elektrischem Stuhl und Lackieranlage (Kölner Express). Die Entsorgungstechnik funktioniert, vereinfacht ausgedrückt, mit Hilfe eines Vakuum-Zerkleinerungsquirls und einem nachgeschalteten Komprimierungs-Auffangbehälters. Trotz Einsatzes ultramoderner Hochtechnologie soll es hin und wieder zu Funktionsstörungen in der hochsensiblen Anlagentechnik kommen, wenn z.B. das flauschigfeuchte Klopapier den hochtourigen Fäkalquirl blockiert.

Da kann man eigentlich nur resümieren: Fluch der Technik!

Damit der Traum vom würdevollen Grand-Lokus auch tatsächlich in Erfüllung geht, besteht die exquisite WCPerformance aus einem marmorveredelten Poeten-Thron zum hygienisch kraftvollen Durchstarten. Passend zum maßgeschneiderten Leibstuhl gibt’s als exorbitanten Full-Service noch eine makellose Klobrille mit integrierter Desinfektionsautomatik sowie eine zusätzliche Miefabsaugung unmittelbar am Gas-Austritt des Sekundärorgans. Außerdem sorgt ein geräuschprogrammierter Air-Control-Püster während des fäkalen Countdowns für variantenreiche Zusatzbeduftung. Zum krönenden Abschluß gibt es obendrein noch als Premium-After-shave für den verwöhnten Allerwertesten eine sensorisch sensibel abtastende Popo-Fix- Warmwasserdusche mit anschließender wohlig warmer Föntrocknung.

Übrigens kannten unsere Vorfahren aus der jüngsten Vergangenheit bei der fäkalen Nachsorge keinerlei Hygiene- Skrupel. Statt der heute üblichen classic-Clean-Standard-WCAusrüstung, bestehend aus superflauschigem Klopapier und Häkle feucht benutzten die einfallslosen Kulturbanausen zur Politur ihrer intimen Kraftzone einfach bündelweise Stroh. Die kultivierten Römer hingegen saßen in ihren Kommunallatrinen nicht nur fäkal enthemmt Backe an Backe, sondern benutzten bereits damals schon zur anspruchsvollen Nachsorge weiche Schwämme, aufgespießt an kleinen Stöckchen.

WC-Design oder nicht sein

Wie neueste Meldungen aus der Wissenschaft eindrucksvoll belegen, macht die sich rasant entwickelnde WC-Sch(l)üsseltechnologie des überall herumgeisternden Facility-Gesundheits- Managements auch vor der Klotüre nicht halt. So bietet Japan als führende High-Tech-Nation bereits multifunktionelle WC-Prototypen mit sensorischen Befindlichkeits-Katalysatoren zur molekularen Standby- Stuhlganganalyse, inklusive prophylaktisches Urinal-Diabetes-Controlling. Zwecks Erzeugung von Gefühlen und zur positiven Beeinflussung des Wohlbefindens hat sich auch die funktionale Grundausstattung gegenüber traditionellen Toiletten grundlegend geändert. Damit die bedrängte Alltags- Seele völlig entspannt auf dem WCTopf baumeln kann, gibt es neben Postromantik pur, wie z. B. im piekfein ausstaffierten Nobelrestaurant Käfer in München, auch modernste Designkreationen mit perfekt inszenierten special-effects. Stimmungsvoll verspiegelte Sternenhimmel sorgen für Atmosphäre, gesundheitsfördernde Sauerstoffduschen aktivieren das Wohlbefinden, eine stets griffbereite Tele-Flirtline sorgt für stimmungsvollen Infofluß und zur abwechslungsreichen Visualisierung gibt es ein Panorama- Wanddisplay mit Free-TV.

Der Verkehrswert steigt

Nachdem kreative WC-Schönheits- Chirurgen das Image einst ruhmloser Trottoirs erfolgreich gelittet haben, profitieren nebenher auch die inzwischen wahrnehmungsgeschärfte Industrie, sowie Betreiber von Clubs, Cafes, Restaurationen vom positiven Synergieeffekt salonfähiger Bedürfnisareale. Die neue Lust geht, wie ein Gourmet- Chef augenzwinkernd prophezeit, bereits soweit, daß der Toilettengang bald gefragter als der Menügang ist und das Klo künftig so schön ist, daß man eigentlich nur noch ä la carte schauen und gar nicht müssen sollte. So kann auch der anspruchsvolle Business- Gast die Beschwerden seines Reichtums in entrückter Toiletten-Atmosphäre hervorragend lindern.

Dazu passend die kürzlich zu lesende postamouröse Edition: „Amorefurore als kollektiver WC-Service". Danach finden, aufs Wesentliche reduziert, im einst moralisch verminten Ort der Urbedürfnisse nicht nur fiebrige Zwangssitzungen statt, sondern es wird nebenbei- hol's der Geier - auch noch das „dritte Urbedürfnis des Menschen" befriedigt. Denn auf dem gerammelt vollen schnellen Brüter schiebt man neuerdings nonstop locker cool akkordweise flotte Dreier oder Vierer synchron im virtuosen Dreivierteltakt. Pfui Teufel! Von wegen „tote Hose", doppelter Rittberger ist angesagt. Behaupte da noch ein notleidender Libido- Fetischist schamlos, es gäbe angesichts der wüsten Latrinen-Kopulation auf vibrierenden WC-Sitzen keinen aufregenden Nummern-Codewandel jenseits der Scham vom nüchternen 00 zum Pulsbeschleuniger 006.

Als Ergänzung zur obigen Nullnummer- Euphorie noch kurz drei geistige Eruptionen mit praktischen Verkehrsregeln für verklemmte Doppel-Null- Moralisten, damit die Wa(h)re Liebe auf saukomischen Zitterpartien auch tatsächlich mit voller Spannkraft ohne jegliche Komplikationen abgeht. Also Vorsicht beim kurzatmigen Reizthema Apres-WC, damit die Krawatte nicht während der geöffneten Hormonschleuse angefranst in den Reißverschluß der Dame gerät, es während der leidenschaftlichen Balz in erbärmlich engen Flugzeug- und ICEVakuum- Toiletten aufgrund fataler Sogwirkung nicht zum dramatischen Beziehungsgau kommt oder daß beim (gem)einsamen Selbst-Handanlegen stets die Klotüre verrammelt ist (siehe Do-it-yourself-lnfo aus dem Stern Nr. 1/99): „Es wäre gescheiter gewesen, wenn ich nackt hätte durch die Oxford Street laufen und dabei «I Am What I Am» singen müssen." Pop-Star George Michael in Los Angeles nach seiner Verurteilung zu gemeinnütziger Arbeit - wegen ungenierten Onanierens in einer öffentlichen Toilette.

Fazit: Erst sucht man mit gezückter Moralpistole im fäkalen Operationsgebiet verzweifelt die Fährte, ferkelt anschließend mit offenem Visier im Grausoleum en detail tapfer herum und rümpft zu guter Letzt mokierend die Nase über den Sumpf, in dem man sich kurz zuvor noch als Klug-Scheißer hemmungslos gesuhlt hat. Nun wird im vulgo Lokus alles besser! Oder besser nicht? Selbsterkenntnis eines fäkal geläuterten WC-Provokateurs.

Im anschließenden Teil 2 geht es, wie eingangs versprochen, nur noch stockseriös und rein praxisorientiert um vorschriftenkonforme Planungskriterien öffentlicher Toiletteneinrichtungen.

Nachdem wir uns im Teil 1schmunzelnderweise in das unendliche Thema öffentliche Toilette sehr ausführlich eingelesen haben, geht es im zweiten Beitragsteil nunmehr rein technisch radikal zur Sache. Versprochen!

Normkonform

Das scheinbare Tabu-Thema „öffentliche Toiletten" ist bekanntlich nicht nur ein sakrales National-Heiligtum, sondern bisweilen auch eine instrumentalisierte Schande. Dieses verdeutlichen diverse bürokratische, teilweise überzogene, bzw. unnötig einengende Vorschriften, Empfehlungen, Richtlinien etc., die ironisch überspitzt eines Tages in die Sicherheitsforderung von zwei Spülkästen in einem Klo enden. Deprimierend ist hierbei die Tatsache, daß niederbügelnde Gestaltungs- Vorschriften und restriktive Normanwendung nicht nur Ideenödnis provoziert, sondern gleichzeitig auch kreative Innovationen lähmen, so daß nicht selten die Gegenwart die Zukunft knechtet.

Um anspruchsvolle Toiletteneinrichtungen zu realisieren, ist daher zunächst eine an der Praxis orientierte Planung zwingend notwendig. Diese muß sich wohl oder übel auch an gültigen Vorschriften und Normen orientieren. Trotzdem sollte man den verbleibenden Freiraum unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten und den finanziellen Rahmenbedingungen kreativ nutzen. Die wesentlichsten zu beachtenden Normen sind die DIN 1986 für den Bereich Entwässerung, DIN 1988 für die Bewässerung (Trinkwasserversorgung) und die Norm DIN 18022. Letztere enthält als richtungsweisende Planungshilfe z. B. Mindestanforderungen für den Platzbedarf für sanitäre Objekte.

Darüber hinaus hat die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) § 3 „Allgemeine Anforderungen und § 37 „Toilettenräume" uneingeschränkt Gültigkeit, wobei die DIN 18228 bereits 1998 ersatzlos zurückgenommen wurde, da man diese komplett in der vorstehenden Arbeitsstättenverordnung mit übernommen hat. In den zusätzlichen Arbeitsstätten-Richtlinien (ASR) wurden die Anforderungen der vorstehenden Arbeitsstättenverordnung für Wasch-, Toiletten- und Sanitärräume nochmals präzi-siert. Im Gegensatz zur Arbeitsstätten-Verordnung haben die Arbeitsstätten-Richtlinien lediglich empfehlenden, d. h. Orientierenden Charakter. Neben den erwähnten Regelungen gibt es noch die VDI-Richtlinie 3818 für öffentlich zugängliche Toiletten- und Waschräume mit entsprechenden Hinweisen über Ausstattungs- Ausführungen und Instandhaltung von öffentlichen Toiletten und Waschräumen, sowie die „Sanitärbau 95" des AMEV Bonn 1995 „Planung und Ausführung von Sanitäranlagen in öffentlichen Gebäuden". Von gesetzlicher Seite sind noch folgende Verordnungen sanitärrelevant: Garagenverordnung (GaVo), Gaststättenverordnung (GastV), Versammlungsstättenverordnung (VStättV). Für die Planung von öffentlichen Sanitärräumen für Behinderte und alte Menschen gilt die DIN 18024. Zur individuellen innenarchitektonischen Gestaltung von öffentlichen Toilettenräumen bietet die Industrie je nach Nutzungsvorgaben eine Vielzahl sanitärer Einzelkomponenten, bis hin zu kompletten Systemlösungen.

In hochfrequentierten öffentlichen Toilettenbereichen wie z. B. auf Bahnhöfen, Autobahnen o. ä. Kommunalen Einrichtungen sind die Schwerpunkte selbstverständlich anders gesetzt als bei Hotels, Restaurants etc.

Bei den erstgenannten Sanitärbereichen geht es primär um Hygiene, perfekte Funktionalität und Vandalensicherheit. Im Bereich überschaubarer Nutzung sind häufig Exklusivität, Ästhetik, Komfort usw. zur imagepflegenden Repräsentation gefragt.

Im öffentlichen Sektor beschränken sich die sanitären Einrichtungen bedarfsorientiert auf folgende vier Anlagen-Komponenten: Waschtisch, Urinal und Toilette sowie Hygiene- Zubehör.

Allgemeine Planungskriterien öffentlicher Toiletten

Bei öffentlich zugänglichen Toiletten schlägt für Architekten und Sanitär- Planer die Stunde Null bereits bei der funktionellen Zuordnung der Einrichtungen, abgestimmt auf den jeweiligen Nutzerkreis. Für öffentliche Räume gilt generell, daß man sich nur dort wohl fühlt, wo die Ästhetik bzw. das Design, die Funktionalität und die Hygiene stimmen. Dieser Kausalzusammenhang besteht somit in besonderem Maße auch für öffentlich zugängliche Sanitäranlagen.

Wie einschlägige Studien zweifelsfrei dokumentieren, fördert eine gepflegte Raum-Atmosphäre automatisch auch den pfleglichen Umgang mit den Einrichtungen. Daher ist der allseits gefürchtete Vandalismus bei öffentlichen Einrichtungen folglich auch eine Zwangserscheinung hinsichtlich des vorhandenen Raummilieus.

Trotz dieser plausiblen Erkenntnisse belegen Untersuchungen der deutschen Sanitärindustrie, des ADAC und anderer Institutionen, daß man nicht nur in öffentlichen Gebäuden, Straßen- und Autobahntoiletten o. ä. Unbeaufsichtigter Anlagen bisweilen katastrophale Hygiene-Mißstände antrifft, sondern auch in gehobenen Spitzen- Restaurants und exklusiven Hotels herrschen teilweise unzumutbare Zustände.

Die wesentlichsten Planungskriterien zur positiven Verhaltensbeeinflussung sind:

• günstige Anordnungen der sanitären Räumlichkeiten

• ausreichende Anzahl von Sanitäreinrichtungen

• großzügige Wartezonen bzw. Verkehrsfläche

• ausreichende Raumbeleuchtung - für die Nutzung geeigneter Sanitärobjekte

• richtige Wahl der Materialien bzw. Werkstoffe

Im Gegensatz zu den sogenannten halböffentlichen, d. h. nicht öffentlich zugänglichen Wasch- und Toiletteneinrichtungen gemäß Arbeitsstättenverordnung mit weitgehend definiertem Personenkreis handelt es sich in öffentlichen Sanitärräumen um ein anonymes Publikum. Folglich ist auch die Nutzungsbeanspruchung entsprechend hoch.

Daher ist auch die Aufgabenstellung, was die Planung der Räumlichkeiten, die bauliche und funktionale Gestaltung sowie die Hygieneanforderungen, Sanitärtechnik etc. betrifft, zu differenzieren.

Die VDI-Richtlinie VDI3818 klassifiziert die Anforderungen der sanitärtechnischen Anlagenkomponenten daher auch sehr sinnvoll nach Gebäudeart, Benutzungshäufigkeit und Vandalismusgefahr.

Zur Gebäudeart:

• ständig benutzt (z. B. auf Bahnhöfen)

• stoßweise benutzt (z. B. in Theatern)

zeitweise benutzt (z. B. auf Messen)

Zur Benutzunashäufiakeit:

• viele Benutzer, große Gleichzeitigkeit (z. B. in Sportstadien)

• viele Benutzer, geringe Gleichzeitigkeit (z. B. in Freibädern)

• wenige Benutzer, große Gleichzeitigkeit (z. B. in Theaterpausen)

• wenige Benutzer, geringe Gleichzeitigkeit (z. B. in Rathäusern)

Zur Vandalismusgefahr:

• keine Zerstörungsgefahr (z. B. In Opernhäusern)

• geringe Zerstörungsgefahr (z. B. In Hotels)

• Zerstörungsgefahr (z. B. auf Bahnhöfen)

• große Zerstörungsgefahr (z. B. In Autobahn- und Stadttoiletten).

Übergreifende Vorschriften

Bei öffentlichen Toiletten beträgt die Mindestraumbreite 850 mm und die Raumtiefe mit Türanschlag nach innen 1 500 mm. Bei Wandeinbau- Spüleinrichtungen reduziert sich die Raumtiefe auf 135 mm. Aufgrund dieser Mindestmaße beträgt die Freiraumtiefe vor dem WC-Becken stets 750 mm.

Der Mindestabstand zwischen Wand und Urinalachse ist 450 mm, und der Abstand der Beckenachsen untereinander 600 mm. Bei Waschplätzen beträgt die Bewegungsbreite 650 – 800 mm und die Raumtiefe davor 550 - 600 mm.

Bei öffentlichen und gewerblichen Toilettenräumen wird bei künstlicher Beleuchtung mindestens 100 Lux gefordert. Die Leistung der Lüftungsanlage ist so zu dimensionieren, daß ein Luftwechsel von 30 m3/h je Toilette und 15 m3/h je Bedürfnisstand (Urinalbecken) sichergestellt ist. Bei natürlicher Querlüftung sind folgende Zu und Abluftquerschnitte gefordert:

je Toilette = 1000 cm²

je Bedürfnisstand = 600 cm²

Waschtischvielfalt statt Einfalt

Die heute allseits gepriesene Hygiene ist, man lese und staune, keine Erfindung unseres Clean-Zeitalters. Das Wort Hygiene leitet sich nämlich aus dem altgriechischen Begriff für Gesundheit „Hygieia" ab. Da in der griechischen Mythologie Hygieia die Göttin der Gesundheit ist, bleibt zu hoffen, daß sie auch beim Benutzen öffentlicher Toiletten stets gegenwärtig ist. In der heutigen Zeit sollte Toiletten-Hygiene eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Trotzdem gibt es immer noch genügend Benutzer, die sich vor dem Ritual des obligatorischen Händewaschens scheuen.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie gehen von naßkalter Unfreundlichkeit (Non-Ästhetik) über mangelnde Funktionalität, gepaart mit unhygienischen Zuständen, bis hin zur fehlenden Bequemlichkeit. Daß Waschtischbereiche als sogenanntes Hygiene-Zentrum nach wie vor eine sanitäre Schwachstelle sind und als Hygiene-Einrichtungen alles andere als einen guten Ruf genießen, ist insofern unverständlich, da es für jeden Anwendungszweck eine sehr reichhaltige Angebotsvielfalt gibt.

Die eindrucksvollen Fotos im Beitrag dokumentieren, daß es eine Vielzahl hervorragend gestalteter Sanitäranlagen gibt; leider handelt es sich hierbei häufig um aufwendige Prestigeprojekte.

Daher ist auch nicht verwunderlich, daß öffentliche Toiletten für Bakteriologen aufgrund der latenten Infektionsgefahr durch Bakterien, Pilze, Viren u. ä. Mikroorganismen ein willkommenes Forschungsgebiet sind und darüber hinaus auch noch Rowdytum provozieren. Dieses liegt nicht nur an den evtl. fehlenden Investitionskosten, sondern basiert meistens auch auf dem fehlenden „gewußt wie", indem Standards aus dem privaten Badbereich gedankenlos auf den öffentlichen Bereich übertragen werden. Dabei lautet das planerische Grundprinzip im öffentlichen Toilettenbereich: Optimale räumliche Gestaltung mit sauberen und hellen Räumen schaffen eine weitgehend hygieneund „vandalensichere" Atmosphäre. Dieses gilt sinngemäß auch für die Ausführung. Denn für Unterputzinstallationen gilt: Was man nicht sieht, kann man nicht anfassen, und folglich ist es nicht „angreifbar" und-dämit weitgehend der Zerstörung entzogen.

Je nach Nutzer-Personenkreis eignen sich als Waschtischwerkstoffe neben den klassischen Materialien wie Keramik und Naturstein auch Corian, Mineralguß, satiniertes Glas, kunststoffveredelte Laminate und Emailleoberflächen sowie der derzeit im Trend liegende Chromstahl.

Neben einer ansprechenden Optik soll der Waschplatz gleichzeitig auch eine optimale Funktionalität aufweisen, z. B. robuste Oberflächen, schnelle und einfache Reinigung, sparsamer Wasser- und Energieverbrauch und hohe Bedienungsfreundlichkeit. Fugenlose Waschtischanlagen aus „einem Stück" mit integrierten Waschmulden kommen einer problemlosen Reinigung mit Sicherheit entgegen.

Möglichkeiten zur Waschplatzoptimierung:

• Waschtische in ausreichender Anzahl vorsehen

• Bodenfreiheit unter Waschanlage

• ausreichend Ablagefläche

• Waschtische möglichst ohne integriertem Überlauf

• Waschtische mit Siebablauf statt Stopfenventil

• möglichst glatte, fugenfreie Oberflächen

• Ecken, Vertiefungen und Kanten meiden

• Norm-Abstände zu anderen Bauteilen halten

• möglichst auf Silikonfugen verzichten

• großflächige Verspiegelung

• gute Waschplatzausleuchtung Behördlicher Umweltsch(m)utz

Wasser und Energie sparen ist inzwischen nicht nur im Privatbereich, sondern neuerdings auch im Kommunalbereich eine Kostenfrage und wird damit gleichzeitig auch zu einem sinnvollen Beitrag zum ressourcenschonenden Umweltschutz. Daß öffentliche Toiletten zweifelsohne einen sehr effizienten Beitrag leisten können, steht außer Frage.

Ob diese ökologische Zwangsbeglückung in letzter Konsequenz allerdings soweit in den peinlichen Bereich gehen muß, wie kürzlich unter der Überschrift: „Kein Witz: Klo-Kontrolle in der Hamburger Umweltbehörde" zu lesen, darf mit Recht bezweifelt werden.

Um den permanent gepredigten Wasser- und Stromsparappell des GALUmweltsenators pflichtbewußt zu befriedigen, erfolgt vor dem Hintergrund der restriktiven (Umweltschutz-) Agenda 21 einmal wöchentlich eine offizielle Klo-Schnüffelei mit anschließender Dokumentation, denn bekanntlich gibt es kein Geschäft ohne Papierkram. Diese kreative Arbeitsbeschaffungsstrategie ist bei der angeblich stets herrschenden Überlastung des behördlichen Umweltamtes gegen Abflußchaos im Untergrund schon ein bemerkenswerter Vorgang.

Doch es geht noch augenöffnend weiter: Die wöchentliche Toiletten-Recherche der behördlich sanktionierten Kammerjäger nach der Devise „der Letzte macht das Licht aus" fördert recht eindrucksvolle Offenbarungen hinsichtlich nicht umweltgerechter Stuhlgangsgepflogenheiten zutage. Protokoll vom 29. Oktober: „In vier ungenügend gespülten Erdgeschoß-Klos brannten die Lampen, und dabei waren nur zwei WCs besetzt." Noch dramatischer im sechsten Stock: „Vier Toiletten frei - und alle hell erleuchtet." Eine empirische Modell-Hochrechnung ergibt, übers Jahr gesehen, Tausende vergeudete Klo-Kilowattstunden und gleichzeitig verpuffen so ganz nebenbei ca. sieben kg C02 Treibgas pro Staatsdiener ungenutzt in der beschaulichen Behördenatmosphäre. Wie der Einsatzleiter stolz erklärt, fließen etwa 20 Prozent der Arbeitszeit in die aktuelle Aktionsphase, dabei soll die kreative Kloaktion unterm Strich wesentlich mehr Effizienz bringen als langweilige Behörden-Besprechung. Recht hat er, nicht nur was die umstrittene Arbeitsbeschaffungsmaßnahme betrifft!

Wassersparen ohne Berührungsängste

Wasser und Energie sparen ist schon längst kein Luxus mehr, sondern im Sinne von Ressourcenschonung ein unerläßlicher Umweltschutzbeitrag. Hieran hat sich künftig auch der öffentliche Toilettenbereich zu orientieren. So läßt sich beispielsweise bei Waschtischen durch sogenannte Durchflußbegrenzer direkt am Armaturenauslauf der Wasserverbrauch je Nutzung von ca. 5 Litern um ca. 50% reduzieren. Trotz dieser ökologisch und ökonomisch sinnvollen Maßnahme bleibt ein Restrisiko, wenn nämlich der eilige Nutzer die wasserspendende Armatur nach Gebrauch nicht richtig oder gar nicht schließt. Daher geht man im öffentlichen Sanitärbereich immer mehr dazu über, zeitgesteuerte Selbstschlußarmaturen zu verwenden. Hierbei erfolgt die Betätigung bzw. Auslösung des Wasser flusses entweder manuell oder berührungslos mit Hilfe von elektronischer Opto- oder Radarsteuerung. Bei manuell zu betätigenden Selbstschlußarmaturen erfolgt die Auslösung des Wasserflusses mit Hilfe von Druckspülern oder Sensortastern. Die Laufzeit wird durch mechanische Voreinstellung bestimmt oder, wie z. B. Beim Sensortaster, über Zeitrelais. Die Laufzeiten und Wassermengen sind neuerdings in der Euro-Norm EN 816 festgelegt. So beträgt z. B. die Fließdauer bei Waschtischen bei 3 ± 0,2 bar = 15 ± 5 Sekunden. Das Funktionsprinzip der optoelektronischen Armaturensteuerung basiert auf zwei sichtbaren Leuchtdioden (Sender und Fototransistor) mit Lichtimpulsen, die im Infrarot-Bereich liegen. Wird die unsichtbare Strahlung durch den Nutzer reflektiert, öffnet eine Steuerelektronik die Armatur, und umgekehrt schließt automatisch das Magnetventil.

Die Steuerung kann sich sowohl direkt in der Armatur befinden als auch mit dezentral angeordnetem getrennten Sensor als sogenannte Splitlösung. Als Sicherheit gegen äußere Manipulationen erfolgt nach einer definierten Laufzeit die automatische Abschaltung der Armatur.

Bei der Radar-Elektronik werden über einen verdeckten, d. h. unsichtbar positionierten Senderz. B. hinter Fliesen ständig Impulse als elektromagnetische Wellen ausgestrahlt. Befindet sich der Nutzer im Wirkungsbereich des Radarsenders, wird über den sogenannten „Doppler-Effekt" die Armatur automatisch ein- bzw. ausgeschaltet. Mit Hilfe der vorstehenden Technologie läßt sich der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Händewaschvorgang ohne Kom-forteinbuße von 5 I auf 2 I reduzieren.

Die elektronischen Armaturen haben weiterhin den Vorteil, daß sie sich, dem heutigen Trend zum „Intelligent Building" folgend, problemlos mit in die Gebäudeleittechnik (GLT), respektive DDC-Technik (DDC = Direct digital control) integrieren lassen. Diese Automatisierungs- Technik bietet den Vorteil der zentralgesteuerten Fernüberwachung aller Einrichtungskomponenten öffentlicher Toiletten. Neben der exakten Strom- und Wasserverbrauchskontrolle besteht die Möglichkeit der Benutzerfrequenz-Dokumentierung mit konkreter Zuordnung der Armaturenlaufzeiten und Wassermengen bei Waschtischen, Urinalen, Toiletten, Duschen etc. Die beschriebenen elektronischen Selbstschluß- Armaturensteuerungen gibt es selbstverständlich auch für die nachfolgend beschriebenen Sanitärobjekte (siehe auch unter Urinalanlagen und Toiletteneinrichtungen).

Weitere Vorteile der robusten automatischen Armaturentechnik sind neben der Funktions- und Vandalensicherheit zweifelsohne die Hygieneaspekte. Aufgrund der berührungslosen Funktion und der Tatsache, daß die Armaturenkonstruktion lediglich aus einem Wasserauslauf besteht, ist der Reinigungsaufwand minimal. Bei der Planung von elektronischen Armaturen sind allerdings die Mindestabstände hinsichtlich ungewollter Auslösung zu beachten (Bewegungsraum).

Im sanitärtechnisch gehobenen Exklusiv- Bereich kommen selbstverständlich nach wie vor auch traditionelle Waschtischarmaturen zum Einsatz, allerdings in einem dem Waschtischambiente angepaßten Design.

Die Frage, ob es unbedingt notwendig ist, Warmwasser in öffentlichen Toilettenräumen vorzusehen, ist nicht generell mit ja oder nein zu beantworten, sondern richtet sich auch nach den Örtlichkeiten. Ist jedoch Warmwasser bereits vorhanden und auch gewünscht, ist darauf zu achten, dass dieses auch innerhalb kürzester Zeit entsprechend temperiert zur Verfügung steht, andernfalls ist dieser Pseudoluxus reine Wasser- und Energieverschwendung.

Wie die Praxis gezeigt hat, reicht in öffentlichen unbeaufsichtigten Toiletten mit ständig wechselnden anonymen Nutzern wie z. B. kommunalen Gebäuden, Autobahnraststätten, Straßentoiletten etc. eine Kaltwasserversorgung. Bei Einrichtungen mit imagepflegendem Anspruch wie in gehobenen Restaurants, Exklusivhotelfoyers, Repräsentations-Gebäuden kann eine zusätzliche Warmwasserversorgung durchaus sinnvoll sein, vorausgesetzt, sie funktioniert ohne lange wasservergeudende Wartezeiten.

Im Keim erstickt – Hygiene- Accessoires

Wenn Form und Funktion stimmen, sollte man so viel Hygiene-Accessoires wie nötig und so wenig wie möglich verwenden, denn häufig bewirkt gerade im Hygienebereich weniger mehr. Überflüssige Hygiene-Einrichtungen bedeuten zusätzlichen Reinigungsaufwand mit der Gefahr, dass sie, je nach Geschmacks-Design obendrein auch noch entwendet werden.

Bekanntlich stellen gesundheitsgefährdende Mikroorganismen besonders in stark frequentierten öffentlichen Sanitäranlagen ein nicht zu unterschätzendes Infektionsrisiko dar. Folglich sollte man vor dem Verlassen der Stätte der Verrichtung respektive beim letzten Gefecht mit den unsichtbaren Krankheitserregern nach dem Motto „Gefahr erkannt – Gefahr gebannt" auch ausreichend die Hände waschen. Daß man sich beim anschließenden Betätigen des Türgriffs erneut infizieren kann, ist hinlänglich bekannt und trotzdem wird dieses von Architekten bei der Planung stets verkannt.

Doch zurück ins Toiletten-Foyer: Bei der Planung öffentlicher Toiletten ist generell besonderer Wert auf die richtige Ausstattung der Personen-Hygiene zu legen. Als Leitfaden können die Richtlinien der Arbeitsstätten-Verordnung dienen, auch wenn sich ihr Geltungsbereich auf Gewerbebetriebe beschränkt, denn andere Vorschriften sind in ihrer konkreten Aussage leider nur sehr dürftig. Angesichts der Vielzahl von nostalgischen Seifenspendertypen, angefangen von Pulverseifenspendern über Seifenmühlen bis hin zu Kippseifenspendern, die, falls noch nicht geschehen, über kurz oder lang im Hygiene-Museum landen, ist der Flüssigkeits- und/oder Schaumseifenspender gegenwärtig das wohl unumstrittenste Spenderkonzept. Trotzdem sind bei den Seifencreme- Spendern mit Direktdosierung (Bagin- the-box) bestimmte Funktions-Kriterien zu beachten. Dieses sind z. B. einfache Einhandbedienung, kein Nachtropfen, problemlose Befüllung, gut sichtbare Füllstandsanzeige, austrocknungssichere geschlossene Speichersysteme etc.

Die neuartigen Schaumseifenspender bieten gegenüber herkömmlichen Seifencreme- Spendern den Vorteil, dass sie bis zu 50% Seife sparen, denn wie die Praxis gezeigt hat, wird bei normaler Seife gut die Hälfte der Seife durch den Wasserstrahl ungenutzt abgespült. Wenn auch nach der bereits genannten Arbeitsstätten-Richtlinie ein gemeinsamer Spender für zwei Waschstellen ausreicht, sollte man, nicht zuletzt aus sinnvollen Komfortüberlegungen, möglichst für jeden Waschplatz auch einen separaten Spender vorsehen.

Zur Hände-Desinfektion noch folgender Zusatzhinweis: Da Seife nicht perse desinfiziert, sind z.B. in infektionsgefährdeten medizinischen o. ä. Bereichen zusätzliche Desinfektionsmittelspender zwingend vorgeschrieben.

Gemäß den o. g. Richtlinien sind als Hygienemittel zum Händetrocknen neben Warmlufttrocknern nur Handtücher zur einmaligen Benutzung zulässig. Zu Warmlufttrocknern sei angemerkt, dass ihre Trocknungsleistung häufig unbefriedigend ist, und eilige Nutzer daher nicht selten auf Klopapier ausweichen, das dann wiederum irgendwo unkontrolliert innerhalb der Räumlichkeiten landet. Von einigen Hygienikern wird auch die unhygienische Luftumwälzung als sogenannte „Bakterienschleuder" bemängelt. Papierhandtuchspender bieten einerseits den Vorteil, daß die Händetrocknung optimal ist und andererseits die Handtücher aus 100 % Altpapier bestehen. Stoffrollen-Handtuchspendern, sind zweifelsohne abfallmindernd, da sie in der Regel mehrere Jahre 80 bis 100 Waschzyklen schadlos durchlaufen. Da mit einer Rolle ca. 120 bis 150 Abtrocknungen möglich sind, entfällt außerdem die ständige Abfallentsorgung.

Abfallkörbe sollten nicht auf dem Boden stehen, sondern sind aus Reinigungsgründen an der Wand zu befestigen. In der Praxis haben sich auch Edelstahl-Kompakteinheiten mit integriertem Handtuchspender und Abfallsammeleinrichtung zum fliesenbündigen Wandeinbau sehr gut bewährt. Diese sinnvolle Lösung ist nicht nur äußerst praktisch und weitgehend vandalensicher, sondern auch pflegeleicht mit optisch sehr ansprechendem Design.

Urinal-Anlagen

Das gestiegene Hygiene- und Umweltbewußtsein hat auch - zum Glück, kann man sagen - vor der Urinalanlage nicht halt gemacht, auch wenn man dieses berauschende Thema besser mit Handschuhen anfaßt. Trotzdem sind sogenannte „versiffte" Stellplätze zur männlichen Erleichterung inzwischen eher die Ausnahme statt die Regel. Aufgrund gestiegener Hygieneansprüche geht der Trend eindeutig weg von sogenannten Gemeinschafts- Urinalrinnen, gefliest aus Keramik oder Edelstahl, hin zu Einzel-Absauge-Urinalbecken.

Als Werkstoff kommt neben traditioneller Sanitär-Keramik neuerdings auch verstärkt rostfreies Edelstahl zum Einsatz. Edelstahl ist insofern sehr praktisch, da er weitgehend vandalensicher ist.

Das moderne Design hat sich durch geschlossene Formgebung ohne unhygienische Fugen, Ecken und Kanten inzwischen weitgehend der Funktion angepaßt. Ob der Einbau von sogenannten Sichtschutz-Schamwänden als Trennung zwischen den Urinalbecken bzw. den Nutzern tatsächlich zweckmäßig ist, wird unterschiedlich beurteilt, da Schamgrenzen bekanntlich fließend sind. Tatsache ist jedoch, daß diese Zusatzeinrichtungen den Aufwand für Pflege und Wartung beträchtlich erhöhen und von daher im öffentlichen Bereich nicht unbedingt sinnvoll sein müssen.

Der wesentliche Vorteil eines Urinais gegenüber einem WC ist zweifelsohne der sehr geringe Wasserverbrauch von 2 - 3 Litern pro Nutzung gegenüber 6 - 9 Litern bei Toiletten.

Bei Urinalen ist trotz aller positiven Entwicklungen im Bereich von Funktion und Design nach wie vor die Wasserspülung ein gravierender Schwachpunkt. So sieht man selbst im Neubaubereich immer noch Urinalrinnen mit angebohrtem Rohr, aus dem dann ökonomisch und ökologisch völlig sinnlos ständig Wasser rauscht oder besser: vergeudet wird.

Ein beklagenswertes Sanitär-Menetekel sind auch die manuell zu betätigende Druckspülungen in öffentlichen Toiletten, denn sie werden in der Regel nur sehr selten betätigt mit der Folge daraus resultierender unangenehmer Geruchsbelästigungen in Verbindung mit Urinstein-Verstopfungen. Denn welcher hygienebewußte Druckspüler hat es schon gerne, wenn man ihm die Hand gibt, mit der man kurz vorher sein Glied abgeschüttelt hat? Merke: Wenn man öffentliche Toiletten problemlos nach dem Herdenmief orten bzw. erschnüffeln kann, liegt es meist am verführerischen Herren-Lockstoff, der entweder falsch abgedrückt oder falsch entsorgt wurde. Zum Thema Urinal-Accessoires noch folgender Hinweis: Ob ein chemischer Cocktail aus chlorierten Duftsteinen als heimliche Wassermörder in Verbindung mit in Urinalbecken deponierten versifften Kippen-Auffanggittern praktikable Problemloser sind, darf bezweifelt werden. Eine fachgerechte Raumlüftung, eine ausreichende Anzahl von Aschenbechern in Verbindung mit einer automatischen Wasserspülung sind zweifellos eine funktionstechnisch bessere Alternative.

Daher sollten im Elektronik-Zeitalter manuell zu betätigende Wasserauslösungen bei Urinalen in öffentlichen Toiletten inzwischen endgültig der Vergangenheit angehören. Selbst das Nach- bzw. Umrüsten von Aufputz- Druckspülen in berührungsfreie, automatisch spülende Urinal-Armaturen ist heute mit Hilfe batteriebetriebener Elektronik problemlos und zugleich kostengünstig möglich.

Bei Neuplanung ist es sinnvoll, die bereits unter Waschtisch-Anlagen beschriebenen berührungslosen Optioder Radar-Elektronik-Wasserspülungen in Wandeinbauausführung zu installieren. Diese Anlagentechnologie ist nicht nur weitgehend vandalensicher, sondern auch hygienischer, denn die Sanitärobjekte benötigen geringere Reinigungsintervalle aufgrund der regelmäßigen Zwangs-Wasserspülung unmittelbar nach jeder Nutzung.

Übrigens, wenn sich Urinal-Geruchverschlüsse permanent verschlucken und dabei stets widerlich aufstoßen, ist das ein untrügliches Indiz dafür, daß entweder bei der Rohr-Installation, bzw. - Dimensionierung gepfuscht wurde (z. B. zu kleine Rohrquerschnitte), oder die Abflußleitung wächst bereits unaufhaltsam mit granithartem Urinstein zu.

Wasserlose Urinale

Zur Zeit sehr aktuell sind auch wieder wasserlose Urinale. Aufgrund optimierter Werkstoffqualität und technisch ausgereifter Geruchverschlußtechnik sind die „Wasserlosen" inzwischen eine ernst zu nehmende Alternative zu traditionellen Urinalen mit Wasserspülung.

Auch die Entwässerungs-Norm DIN 1986 hat dieser Tatsache entsprechend Rechnung getragen, indem sie diese wasserlose Urinal-Technik unter Absatz 5.4.4 ausdrücklich erlaubt. Die wasserlosen Urinale bestehen aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) in verschiedenen Farben und Formen. Die Kunststoffbecken sind auch zum problemlosen Nachrüsten für vorhandene Wasser-Urinalbecken geeignet, da sie anschlußseitig weitgehend kompatibel sind. Für die geruchlose Funktion bei den wasserlosen Urinalen ist eine extrem glatte Material-Oberfläche notwendig, damit der Urin nahezu rückstandsfrei in den Siphon gelangt. Für die einwandfreie Ablauffunktion sorgt ein Spezial-Geruchsverschluß. Der Siphon enthält eine Sperr-Flüssigkeit, die z. B. leichter ist als Wasser, Urin etc. Hierdurch wirkt die Spezial- Flüssigkeit, wie ein Filter, denn der Urin fließt ohne Verzögerung direkt durch die Flüssigkeit und folglich treten auch keine unangenehmen Gerüche auf.

Je nach Fabrikat wird entweder nach ca. 8.000 Benutzungen die Flüssigkeit erneuert oder der Siphon komplett ausgewechselt. Der Siphon-Wechsel ist problemlos mit wenigen Handgriffen möglich.

Grundsätzlich sind in öffentlichen Toiletten - insbesondere im Urinalbereich - Bodenentwässerungen mit einer darüber befindlichen Zapfstelle (möglichst mit Steckschlüsselbetätigung) gemäß Entwässerungs-Norm DIN 1986 vorzusehen. Denn die Praxis zeigt, dass sich die unberechenbaren Auswirkungen des männlich ätzenden Streukreises in hochfrequentierten Urinalräumen bisweilen verheerend auswirken.

Toiletteneinrichtungen

Abortanlagen dienen, rein funktional ausgedrückt, der Kotbeseitigung. Auf weitere, evtl. über das große Geschäft hinausgehende zweckentfremdende Funktionsmissbräuche wird bewusst nicht näher eingegangen, da hinlänglich bekannt.

Aus Zeitgründen wird auch auf Toiletteneinrichtungen anderer Kulturen wie z. B. hygienisch Sinnvoller Orient- bzw. Hock-WCs in Verbindung mit einer praktischen Intimdusche statt des üblichen Wischpapiers ebenfalls verzichtet. Dafür werden nachstehend die wesentlichsten Planungsparameter für öffentliche Sitz-WC-Becken genannt:

• Wand-WCs anstelle von Standbecken

• WC-Becken mit 6-Liter-Spülung

• Tiefspülbecken statt Flachspüler (wegen der gefürchteten Bremsspur)

• Wandeinbau statt Aufputz-Spüleinrichtungen

• robuste WC-Sitze ohne Deckel Apropos WC-Deckel: Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, daß bei WC-Spülungen mit offenem Deckel die Frachtrate krankheitsfördernder Aerosole in die Umgebungsluft erheblich höher als bei geschlossenem Deckel ist. Daher wird empfohlen, falls vorhanden, den Deckel vor der Spülung zu schließen. Für die WC-Werkstoffwahl und hygienische Formanforderungen bzw. Funktions- Design gilt sinngemäß das bereits unter Urinalanlagen Geschrie- bene. Wann und wo Sanitär-Keramik und/oder rostfreier Edelstahl zum Einsatz kommen sollte, ist primär unter dem Aspekt der späteren Nutzung zu sehen. Edelstahl-Werkstoff bietet da gegenüber Vandalismus sicherlich Vorteile. Hinsichtlich der Vandalensicherheit sind Wandeinbau-Spüleinrichtun- gen bzw. fliesenbündige Installationen zweifelsohne sinnvoll. Berührungslose WC Spülungen (siehe auch „Waschtischvielfalt statt Einfalt") sind grundsätzlich hygienisch optimal, sowohl was die Funktion als auch den späteren Service betrifft. Dieses gilt sinngemäß auch für Tiefspül-Wand-WCs statt der früher üblichen Flachspül-Stand-WCs.

Trotz der überall im Sanitärbereich zum Einsatz kommenden Elektronik überwiegt im WC-Anlagenbereich nach wie vor die manuelle Betätigung. Mit Hilfe moderner 2-Mengen-Auslösung beträgt die definierte Spülmenge fürs große respektive kleine Geschäft jeweils wahlweise 6 und 3 bzw. 2 Liter. Die traditionelle Start-Stop- Taste hatte hingegen den Nachteil, daß der Benutzer die Spülmenge beliebig unterbrechen und damit manipulieren kann und aufgrund evtl. zu geringem Wasserspülvolumen eine latente Verstopfungsgefahr besteht. Da öffentliche Herren-Toiletten generell auch Urinale haben, reichen dort, im Gegensatz zu den Damen- WCs, auch Spülbetätigungen mit nur einem Taster fürs große Geschäft. Ist der Versorgungsdruck und die -menge im Trinkwassersystem ausreichend, bieten auch Druckspüler durchaus eine sinnvolle Alternative zum Spülkasten.

Optimierte WC-Hygiene

Eine durchaus praktische Lösung stellt die automatische Toilettensitzreinigung z. B. der Firma CWS dar. Während des berührungslos gestarteten Spülvorgangs wird automatisch die rotierende WC-Brille mit Hilfe einer Mikroprozessorsteuerung innerhalb von ca. 15 Sekunden desinfiziert und zugleich getrocknet. Die WC-Sitz-Reinigung lässt sich, falls gewünscht, auch zusätzlich direkt vor der Toilettenbenutzung auslösen.

Obwohl diese Hygiene-Schleuse für WC-Sitze durchaus robust konstruiert ist, gibt es dennoch Einsatzgrenzen. Diese liegen z. B. bei sehr hoch beanspruchten und zugleich unbeaufsichtigten öffentlich zugänglichen Toiletten mit wechselnden anonymen Benutzern. In „geschützter" Atmosphäre mit gehobenen Hygieneansprüchen, z. B. im Exklusiv-Bereich ist hingegen der Einsatz problemlos möglich und sogar empfehlenswert. Installationstechnisch ist lediglich ein zusätzlicher Elektroanschluß notwendig. In diesem Zusammenhang sei auch auf die praktischen WC-Anlagen mit hygienischer Nachsorge in Form von automatischer Wasserspülung mit anschließender Warmlufttrocknung, z. B. von der Firma Closomat, erinnert. Übrigens gibt es inzwischen auch nachrüstbare Dusch-WC-Sitze mit Warmlufttrocknung, z. B. der Firma Keramag, Typ Washair 2000 (siehe auch unter „Moderne Systemlösungen").

Ein weit verbreiteter Schwachpunkt in Toilettenräumen ist die mangelhafte hygienische Ausstattung. Bedauerlicherweise enthält die Arbeitsstätten-Richtlinie 37/1 unter Punkt 5 lediglich einen Hinweis auf die Notwendigkeit von Toilettenpapier, -halter und Kleiderhaken, wobei zusätzlich für Frauen bis max. fünf Kabinen ein Hygienebehälter mit Deckel gefordert wird. Übrigens gibt es als Alternative zum antiquierten Toiletten- Treteimer z. B. die CWS-Lady-Box mit berührungsloser Sensortechnik und geruchsneutralisierender Hygiene-Spezialfüllung. Aschenbecher und Toilettenbürste sind in bestimmten Nutzungsbereichen ebenfalls sinnvolle Accessoires in WC-Kabinen.

Und damit wären wir beim Thema Toilettenpapier, wobei es nicht um die Qualität von flauschig weich bis Häkle feucht geht, sondern um die Art der öffentlichen Präsentation. Um den Mißbrauch von Toilettenpapier in hochfrequentierten öffentlichen Sanitäreinrichtungen zu minimieren, reichen in der Regel nicht die handelsüblichen Papierhalter in Einfachausführung aus. Die Industrie hat daher eine Vielzahl diebstahlsicherer Papierspender auch mit zusätzlicher startbereiter Reserverolle entwickelt.

Wichtig ist, dass die Konstruktionen robust und leicht zu bedienen und damit weitgehend vandalensicher sind. Praktisch bewährt haben sich auch sogenannte Großrollen-Papierspender aus lackiertem Metall mit entsprechend langen Nachfüllintervallen. In diesem Sinne: Servus, wisch und weg!

Behindertengerechte WC-Ausstattung

Für öffentliche Zweckbauten sind separate, behindertengerecht ausgestattete Toilettenräume zwingend vorgeschrieben. Hierbei sind die Forderungen der DIN 18024 / Teil 2 „Barrierefreies Bauen; öffentlich zugängige Gebäude und Arbeitsstätten – Planungsgrundlagen" vom November 1996 zu beachten.

Obwohl die o. g. Normen die wesentlichsten sanitärtechnischen Planungskriterien enthalten, ist es sinnvoll, den zuständigen Behindertenbeauftragten zusätzlich in die Planungskoordinierung mit einzubeziehen. Erfahrungsgemäß gibt es entsprechend dem Grad der Behinderung von der DIN abweichende Ausführungen, deren nachträgliche Berücksichtigung in der Regel neben unnötigem Ärger auch noch erhebliche Zusatzkosten verursacht.

Die wesentlichsten Forderungen der DIN 18024 für WC- Naßbereiche sind:

• Türbreite > 90 cm

• Türanschlag nach außen

• Rollstuhlwendekreis > 150 cm

• Rollstuhl-Stelltiefe > 150 cm

• Rollstuhl-Stellbreite > 95 cm > bei WCs beidseitig)

• WC-Becken-Sitzhöhe 48 cm

• WC-Beckentiefe > 70 cm

• Waschtischhöhe > 50 cm u. > 54 cm

• Notrufeinrichtung

Neben den genannten Planungsforderungen sind die Art, die Anzahl, die richtige Anordnung sowie die fachgerechte Befestigung der Behinderten-

Hilfseinrichtungen von entscheidender Bedeutung.

Für WC-Anlagen werden beidseitig 15 cm über Beckenvorderkante hinausragende, selbsttätig arretierende Klappgriffe mit Toilettenpapierhalter in vorderer Reichweite gefordert. Der Haltegriff-Achsabstand beträgt mind. 70 cm und die Höhe 85 cm. Die Toilettenspülung muss beidseitig mit Hand oder Arm zu betätigen sein ohne Veränderung der Sitzposition. Die Industrie hat bereits am Haltegriff befestigte bzw. integrierte Tastbetätigungen zur ferngesteuerten Auslösung der WC-Spülung entwickelt. Für Waschtische werden gemäß der neuen Norm keine Haltegriffe mehr zwingend vorgeschrieben. Auf die Unfallgefahr bei nicht fachgerechter Befestigung bzw. Montage der

genannten Halterungen sei besonders hingewiesen. Befestigungen mit Hilfe von Spezialdübeln an Gipswänden, wie immer wieder aus Unkenntnis praktiziert, sind für derartige Belastungen grundsätzlich nicht geeignet. Leichtbauwände erfordern entsprechend verankerte Zusatzkonstruktionen bzw. Trägerelemente, um die extremen Punktbelastungen bzw. die noch extremer wirkenden seitlichen Druckkräfte der Halterungen schadlos aufzunehmen.

Die Norm fordert eine Standfestigkeit von 100 kg am vorderen Griffpunkt. Handelsübliche behindertengerechte WC-lnstallationsblöcke bieten bereits sinnvolle Lösungen mit integrierter Klappgriff-Halterungsbefestigung entsprechend den o. g. Normforderun gen. Beim Thema Erdungen von Metallteilen in Naßräumen scheiden sich häufig die Geister, daher ist eine vorherige Klärung zu empfehlen. Behinderten- Hilfseinrichtungen aus Kunststoff mit Metallkern haben den Vorteil, daß sie keinen zusätzlichen Anschluß an das Ausgleichspotential gemäß VDE 100 benötigen. Denn die Erdungsproblematik beginnt häufig bereits mit den punktgenauen Anschlußvorgaben für den 4-mm2 - Kupferdraht und endet nicht selten mit dem korrekturbedingten Agfstemmen der Fliesen und der meistens nicht ganz einfach herzustellenden, verdeckten Anschlußverbindung.

Um die Kniefreiheit von mindestens 80 cm Tiefe und 67 cm Höhe beim Rollstuhl-Unterfahren vom Waschtisch sicherzustellen, haben sich in der Praxis Wandeinbau-Geruchsverschlüsse und Flachaufputzsiphons bewährt. Automatische Selbstschlußarmaturen mit vorge-mischtem bzw. temperiertem Wasser bieten einen optimalen Bedienungskomfort für Rollstuhlfahrer. Daneben sind auch Einhebel-Standarmaturen mit verlängertem Handhebel erlaubt.

Der vorgeschriebene Spiegel muss eine ariable Einsicht sowohl beim Stehen als auch in Sitzposition gestatten. Zu diesem Zweck gibt es handelsübliche Kippspiegel. Eine praxisbewährte und kostengünstige Lösung ist der Einbau von handelsüblichen großen Spiegeln, die einen störungsfreien Blickkontakt beim Sitzen und Stehen erlauben. Neben Seifenspender, Handtrockner und Abfallauffangbehälter sind außerdem ein Zapfventil mit Bodeneinlauf sowie ein Notruf vorzusehen.

Moderne Systemlösungen

Nicht nur kreative Interieur-Designer haben inzwischen das „stille Örtchen" als interessantes Kunstobjekt (wieder) entdeckt. Auch die Industrie beginnt sich für das „menschliche Bedürfnis" immer mehr zu interessieren. Das neue Zauberwort für den Ort des Geschehens heißt „Systemlösung für den öffentlichen Toilettenbereich".

Während die Baubranche jammert, haben sich innovative Dienstleistungs- Unternehmen auf dieses noch weitgehend brachliegende WC-Terrain gewagt und erzielen mit modernen schlüsselfertigen Komplettangeboten beeindruckende Erfolge. Der Trend geht dabei in zwei Richtungen:

a) zu Kompakt-WC-Einrichtungen

b) zu Element- bzw. Modul-Einheiten

Beim Kompaktsystem der sich auf diesem Gebiet spezialisierten Firma Hering- Bau werden die individuell und bedarfsgerecht gestalteten Toilettenanlagen bzw. -häuser je nach Preisund Ausstattungsvariante fix und fertig im Werk produziert und mittels Kran zum Aufstellungsort transportiert und anschließend mit den bauseitigen Verund Entsorgungen verbunden.

Für den kommunalen Bereich gibt es diese behindertengerechten Toiletten- Anlagen gemäß DIN 18024 auch als weitgehend autarkes WC-System mit voll elektronischer Regelung und Steuerung einschließlich funktionstechnischer Störmeldungen an eine gewünschte Leitwarte. Die Benutzung erfolgt durch Münzeinwurf oder mittels CBF-Schlüssel. Das ästhetische Raumprogramm mit hygienischer Keramik- Oberfläche und robuster Edelstahl- Ausstattung bietet u. a. Eine berührungslose Steuerung sämtlicher Nutzfunktionen sowie eine automatische Reinigung und Desinfektion des WC-Sitzes und des Bodens nach jeder Nutzung. Des weiteren erfolgt nach dem Verlassen der Anlage automatisch eine WC-Zwangsspülung. Darüber hinaus gibt es noch Musik- und Sprachmodule mit Bedienungshinweisen sowie attraktive Werbevitrinen zur kommerziellen Nutzung.

Die gängigen Standorte solcher schlüsselfertigen Toilettenhäuschen sind Autobahnen, Innenstädte, Bahnhöfe, Parkplätze etc. Die innovativen Unternehmen kümmern sich, falls gewünscht, auch um die Finanzierung (Leasing, Mietkauf) und den späteren Service-Betrieb. Bei entsprechender Besucherfrequenz und einem angemessenen Eintrittsgeld ist für den kommerziellen Betrieb eine entsprechende Rendite möglich.

Bei der zweiten Toiletten-Variante, dem sogenannten Modulsystem, werden entsprechend Grundelemente als individuelle Raumlösung angeboten. So lässt sich z. B. das „Get Fresh"-Vorwand- Montagesystem der Firma Kuhfuss problemlos den örtlichen Gegebenheiten und Bedienungen der esamtarchitektur flexibel anpassen. Mit der einfachen und rationellen Vorwand- Modulkonzeption können nahezu alle beliebigen Raumprogramme anschlussfertig verwirklicht werden. Durch vielfältige Färb- und Materialkombinationen sind auch höchste Design- Ansprüche problemlos realisierbar. Da die renommierte Firma Kuhfuss nicht nur kompetenter Hersteller von qualitativ hochwertigen sanitären Edelstahl-Anlagenkomponenten ist, sondern auch multifunktionale elektronische Zentralsteuerungen liefert, vereinigen die angebotenen Systemlösungen praxisbezogene Hygiene-, Funktions- und Vandalensicherheit unter sinnvoller Berücksichtigung des energetischen Umweltschutzes.

Um die gehobenen Ansprüche an öffentliche Toiletten zu erfüllen, sind-wie im Beitrag gezeigt - individuelle Systemlösungen mit anspruchsvoller Architektur in Verbindung mit schlichtem Funktions-Design und intelligenter Technik heute problemlos möglich.

 

CHRISTOPH SAUNUS

1999 • 9-10 • SANITÄR- UND HEIZUNGSTECHNIK