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Vollbad der Sinne – römische Thermenphilosophie als neue Badedimension

Die Attraktivität einer anspruchsvollen Badeeinrichtung wird im wesentlichen durch ihr harmonisch aufeinander abgestimmtes Erlebnisangebot bestimmt. Hierbei sollte die Symbiose aus erlebnisorientiertem Wohlgefühl, neudeutsch "Wellness", in harmonischem Einklang mit den Möglichkeiten passiver und aktiver Körperertüchtigung (Recreation) stehen. Um diesen hohen Ansprüchen gerecht zu werden, nutzen immer mehr Erlebnis- bzw. Freizeitbäder, renommierte Hotels, Saunabetriebe etc. die berühmte römische Thermenkultur als Vorbild für die Realisierung ihrer die Sinne berauschenden Badevisionen.

Von den Griechen "erfunden", vervollkommneten schließlich die Römer mit ihren prunkvollen Thermenmonumenten die Badekultur zur unvergänglicher Hochblüte. In der Antike entwickelte sich das Thermenbaden vom Hygienebedürfnis bzw. Reinigungsakt zu Stätte der Entspannung, Erholung und wurde schließlich zum wichtigsten Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens im alten Rom. Denn schon die alten Römer wußten: "Mens Sana in cor pore sano". (In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist.)

WÄRME - URBEDÜRFNIS DES MENSCHEN

Imposante Architekturüberreste mit fantasievoller Raumgestaltung, ornamentreichem Fußbodenmosaik, Granitsäulen sowie edler Marmor und Cotto-Keramik in filigraner Schönheit soweit das Auge reicht, zeugen in Verbindung mit faszinierenden Wandmalereien noch heute in eindrucksvoller Weise von diesen prachtvollen Kathedralen des Genießens. Besonders die ca. 1600 Besucher fassenden Caracalla- Thermen mit ihrer einzigartigen Kunstschönheit sind beeindruckendes Beispiel für die Perfektion römischer Architektur als brillantes Gesundheitserlebnis.

ZEITGEIST

Mit dem Untergang des römischen Reiches, der im Mittelalter einsetzenden Seuchenangst mit restriktiven Moralvorstellungen und nicht zuletzt durch die tatkräftige Unterstützung des wasserfeindlichen Barocks verblasste auch das Wissen über die geheimnisvollen Heilkräfte des Wärmestrahlungsbadens. Inzwischen hat man den die Sinne beflügelnden Badegenuß der Antike mit seiner gesundheitsfördernden Strahlungswärme und seiner behaglich erholsamen Atmosphäre wiederentdeckt und durch moderne "Fitness-Technologie" perfektioniert. Ein ästhetischer und technischer Rückblick auf die "Zweitausender" des nostalgischen Architekturgebirges hat die österreichische Firma Schletterer und die deutsche Firma Hufland als sogenannte Zeitrestauratoren veranlasst, die "Wärme der römischen Therme" als Unikate unter dem Markennamen bzw. lateinischen Wortschöpfungen "Thermarium" bzw. "Tecaldarium" für uns wieder neu zu konservieren.

HYPOKAUSTEN-HEIZUNG

Wesentlichstes Funktionsmerkmal der römischen Therme war neben der bereits beschriebenen fulminanten Architekturschönheit die raffinierte Hypokausten-Heizungstechnik. Die Wiege der Hypokaustenheizung stand im griechischen Kulturbereich und wurde später von den Römern übernommen. Hypokausten bedeutet so viel wie "Unterbrand". Das Prinzip ist vergleichbar mit der Beheizung eines Wasserbehälters mittels offener Flamme, übertragen auf einen Wohnraum. Die römische Unterflur- Zentralheizung bestand aus einem sogenannten Ofen (hypo-kaustis), dessen Feuerstelle (praefurnium) mit Holz und Holzkohle beschickt wurde. Ob man im Altertum tatsächlich Holzkohle als Primärenergie verwendet hat, ist allerdings in der akademischen Fachwelt immer noch umstritten.

Bei der Hypokaustenheizung strömten - vereinfacht dargestellt - heiße Rauchgase zunächst über Fußbodenkanäle und anschließend durch in Wänden integrierte Hohlziegel bzw. Tonrohre (tubuli), wobei einige Rauchzüge gleichzeitig als Schornsteine dienten. Über die sanfte Beheizung der raumumschließenden Flächen erreichte man eine als äußerst angenehm empfundene gleichmäßige Strahlungswärme. Dieses Heizsystem ähnelte im weitesten Sinne dem heutigen Kachelofenprinzip bzw. der Niedertemperatur-Fuß- und Wandflächenheizung. Bei der römischen Thermenarchitektur baute sich die funktionale Raumfolge zwangsläufig vom Heizraum auf. Das Caldarium als Saal für Warmbäder (Wassertemperatur ca. 40°C) bildete das Zentrum. Daran gliederten das Schwitzbad (Laconium), die milderen Warmbäder (Tepidarium) sowie der Kalt-Baderaum (Frigidarium) mit Schwimmbad (Natatio), Umkleide (Apodyterium) etc. an.

ANTIKE HEIZUNGSTECHNIK

Den beeindruckend hohen heizungstechnischen Entwicklungsstand der alten Römer bestätigen u.a. die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützten Untersuchungen im Archäologiepark Xanten und auf der Saalburg.

Aufgrund der ausgegrabenen Bausubstanz wurden nach antikem Vorbild funktionstüchtige Rekonstruktionen gebaut, um mit Hilfe modernster Meßinstrumente die Abläufe bei Hypokausten-Heizvorgängen zu registrieren und entsprechend auf Leistungsfähigkeit, Energieverbrauch usw. auszuwerten. Die Ergebnisse haben neben der geschichtlichen auch praktische Bedeutung für die heutige Heizungstechnik gebracht. So ist das Raumklima der Hypokaustenheizung mit tubulierenden Wänden vorbildlich bei gleichzeitig minimaler Staubaufwirbelung.

Hinsichtlich des Einsatzes von umweltschonender Niedertemperatur-Energie, Abwärmenutzung o.a. ist die großflächige Heizung ebenfalls bedeutsam. Aufgrund der niedrigen Heizmediumtemperatur kann sich durchaus auch ein wirtschaftlicher Einsatz von Solaranlagen und Wärmepumpen ergeben bzw. läßt sich die Brennwerttechnik optimal nutzen.

Der Mensch als "Warmblütler" erzeugt zur Konstanthaltung seiner "Betriebstemperatur" von 37°C mittels Stoffwechselvorgängen permanent Wärme. Gibt der Mensch aufgrund der umgebenden Temperaturverhältnisse wesentlich mehr Wärme ab, als wie der Körperhaushalt entsprechend seiner Tätigkeit produziert, empfindet er dieses als unangenehm bis hin zu unerträglich.

BEHAGLICHKEIT

Die Körpertemperatur bleibt nur dann unverändert, wenn die Wärmebilanz des Körpers ausgeglichen ist, d.h. Zwischen Wärmegewinn und Wärmeverlust ein harmonischer Ausgleich besteht. Die Aufgabe der Raumheizung ist daher nicht, den Menschen zu wärmen bzw. aufzuheizen, sondern dafür zu sorgen, dass er seine Uberschußwärmeabgabe als behaglich empfindet.

Das paradox klingende Fazit lautet daher: Je niedriger die Temperatur einer Heizung ist, desto behaglicher wird sie empfunden. Die Behaglichkeit wird neben der Aktivität und Bekleidung von den 4 folgenden Parametern beeinflusst:

• Raumlufttemperatur

• Umgebungs-Oberflächentemperatur

• Luftbewegung

• Luftfeuchte

Unter Berücksichtigung der vorstehenden Kriterien steht außer Zweifel, dass mit einer räumlichen Thermoverkleidung, sprich sanfter Strahlungsflächenheizung, ein wesentlich effizienteres Behaglichkeitsgefühl erreichbar ist als mit einer vorwiegend auf Konvektion basierenden Heizung, z.B. mit Heizkörpern. Außerdem kann in strahlungsbeheizten Räumen bei gleichem Behaglichkeitsempfinden die Raumtemperatur bis zu 3°C unter konvektionsbeheizten liegen. Dieses beruht auf der ausgezeichneten Temperaturverteilung im Raum mit einer optimalen vertikalen und horizontalen Strahlungsasymmetrie, die deutlich unter den Grenzwerten des Iso-Standards Nr. 7730 liegt.

Bekanntlich führen Keramik- oder Natursteinbeläge bei konventionellen auf Konvektion basierenden Heizungssystemen aufgrund von Frierzonen oder Hitzeinseln zwangsläufig zu einem deutlichen thermischen Komfortverlust. Die Niedertemperatur- Flächenheizung mit "Heizkörper Wand und Fußboden" eröffnet hingegen die Möglichkeit, mit den o . a . Werkstoffen ohne Komforteinbuße dekorative Akzente innerhalb ästhetischer Raumgestaltungen zu setzen. Daher bietet sich der Einbau der "sanften" Heizungstechnologie auch im Thermenbereich besonders an.

Wie das Vorstehende eindrucksvoll dokumentiert, sind die Erkenntnisse der Strahlungsheizung bereits uraltes empirisches Wissen und nicht eine Errungenschaft unserer hochtechnisierten Neuzeit, wie einem häufig Hochglanzbroschüren zu suggerieren versuchen.

STRAHLUNGSWÄRME-THERAPIE

Medizinische Retrospektiven verdeutlichen sehr eindrucksvoll den bemerkenswert hohen Stand der Strahlungswärme- Heilkunde bei Ägyptern, Griechen und Römern. So bietet eine gleichmäßige langwellige Strahlungswärme mit idealem horizontalen und vertikalen Raumtemperaturprofil gegenüber einer Konvektionswärme, die den Körper indirekt über die Luft erwärmt, nicht nur eine wesentlich angenehmere physiologische Behaglichkeit, sondern wirkt gleichzeitig auch physisch und psychosomatisch entspannend. Ein zusätzlicher Nebeneffekt: Aufgrund fehlender Staub- und Bakterienschwelung sowie fast nicht vorhandener Luftzirkulationen können auch Allergiker, ohne von umherwirbelndem Mikrostaub gequält zu werden, frei durchatmen. In den antiken Badethermen nutzte man die sanfte und angenehm trockene Strahlungswärme zur vorbeugenden und heilenden Regenerierung und Vitalisierung von Körper und Geist. Strahlungswärme-Verfechter sowie Baubiologen kritisieren daher nicht zu Unrecht, dass man heute z.B. nicht mal Patienten in sensiblen Kurklinikbereichen vor und nach der Behandlungsanwendung unter entsprechendem klimaphysiologischen Bezug erwärmt und entwärmt. Evtl. ein Grund zur Neuorientierunng für Architekten, Lüftungs-und Heizungsingenieure, damit die gesundheitsfördernde, natürliche Wärmehüllen-beheizung eine neue Renaissance erlebt. Dann bleibt hoffentlich das "römisch" künftig nicht mehr "böhmisch", und die Strahlungswärme wird endlich gekonnt in Szene gesetzt.

STRAHLUNGSWÄRME-WIRKUNG

Das Wirkungsspektrum der Thermen- Strahlungswärme unterteilt sich in milde und intensive Beheizung. Hierbei ist wichtig, dass im Wärmestrahlungsraum der gesamte Körper gleichmäßig durch die Wärmeabgabe der raumumschließenden Keramikflächen auf das gewünschte Temperaturniveau erwärmt wird. Die Wände, Bänke, Sitz- und Liegeflächen und der Boden müssen daher so beheizt sein, dass die Gewebeschichten und Organe mittels Wärmestrahlung als sogenannte Strahlungsquante aus dem Infrarot-Wellenbereich intensiv erwärmt werden. Hierbei liegt die Lufttemperatur bis zu 15° unter der Temperatur auf den Strahlungsoberflächen, so dass keine Erschöpfungserscheinungen auftreten, sondern im Gegenteil eine Stimulierung des vegetativen Nervensystems stattfindet. Dieses resultiert daraus, dass die o . a . kurzwelligen elektromagnetischen Wärmestrahlen bis in die tieferen Hautschichten dringen und dort gesundheitsfördernd wirken. Langwellige Wärmestrahlung sowie Konvektionswärme hat nur eine geringe Eindringtiefe bzw. wird bereits auf der Oberhaut durch Schweißbildung absorbiert. Dicht unter der Hautoberfläche befindliche Kälte- und Wärmerezeptoren regulieren nämlich die Schweißbildung bzw. die Verdunstungskühlung.

a) Milde Beheizung

Zwischen Körper und Umgebung stellt sich ein Gleichgewichtszustand ein, weil Wärmeabgabe und Wärmeaufnahme des Körpers gleich groß sind. Die Lufttemperatur liegt niedriger als die Oberflächentemperatur der Wände, der Körper wird aufgewärmt, ohne zu schwitzen. Hierdurch werden die Blutgefäße geöffnet und die Durchblutung deutlich intensiviert. Bessere Durchblutung fördert die Regeneration des Körpers, besonders der kälteren Körperteile, wie z.B. der Gelenke. Der Einfluss der Strahlungswärme auf das vegetative Nervensystem führt zur Milderung oder Heilung vieler Regulationsstörungen. Dieses beruht nicht zuletzt auch darauf, dass die "innere Weisheit" der Selbstheilungskräfte des Körpers auf natürliche Weise stimuliert bzw. reaktiviert wird. Die Aufenthaltsdauer im Tecaldarium bzw. Thermarium ist bei diesen Temperaturen unbegrenzt.

b) Intensive Beheizung

Durch gezielte Überwärmung mit Temperaturen zwischen 40 - 65 °C wird der Körper zum Schwitzen angeregt. Der Schweiß scheidet viele Abfallstoffe aus dem Körper aus, die über Leber und Niere nicht entsorgt werden. Die Lufttemperatur liegt unter der Oberflächentemperatur der Wände. Durch diese Form des Schwitzens wird der Kreislauf weniger belastet als durch andere Badeformen. Unangenehme Atembeschwerden, Hautirritationen o.a. wegen zu hoher Lufttemperatur oder Luftfeuchtigkeit treten nicht auf. Die intensive Strahlungswärme fördert natürlich noch stärker die Durchblutung von Gelenken und tieferliegenden Gewebeschichten. Selbstverständlich ist das Wärmebaden auch eine angenehme Form der Abhärtung des Körpers, bei der sich gleichzeitig das Immunsystem stabilisiert.

Bei intensiver Beheizung liegt die Benutzungszeit zwischen 1 und 2 Stunden. Eine anschließende Abkühlung ä la Kneipp ist nicht erforderlich.

BADEFORMEN

Die heute gebräuchlichsten 4 von den Römern entliehenen Badeformen und ihre Wirkspektren sind:

TEPIDARIUM – Regenerationsbad: eine milde, trockene Wärmezone zum Aufbau und zur Entlastung des Immunsystems bei Temperaturen um 3 7 – 39°C. Es wird eine künstliche Fiebertemperatur geschaffen.

LACONIUM - Schwitz- und Entschlackungsbad. Bei Temperaturen von 55°C - 6 5 °C wird eine Entschlackung und Entgiftung des Körpers herbeigeführt; gleichzeitig werden negative Umwelteinflüsse abgebaut.

CALDARIUM-lnhalations-und Dampfbad. Bei Temperaturen von ca. 4 5 ° C ,

meist in Verbindung mit Feuchtigkeit (Wasser, Dampfbecken mit Krautrextrakten), werden Haut, Haare und Atmungsorgane gepflegt.

KAPUDSCHKA - Türkisches Bad (Kneippbad) Diese Badeform ist besonders im osmanischen Reich beliebt. Bei Temperaturen von ca. 4 0 ° C erfolgt eine Vitalisierung und Abhärtung in Verbindung mit Kneippgüssen und Hydrotherapie.

SAUNAVERGLEICH

In der traditionellen Sauna erfolgt die Erwärmung des Körpers bekanntlich überwiegend durch Konvektion, d.h. Luftbewegung, die im oberen Raumbereich eine Strömungsgeschwindigkeit von 1 2 - 1 5 cm/s erreicht. Zusätzlich gibt es in der Sauna auch einen Strahlungswärmeantei durch den Saunaofen selbst und die abstrahlenden Holzflächen.

Während der extremen Wärmebelastung steigt zunächst die Wärmeaufnahme über die Körpertemperatur und den Stoffwechsel und danach nur noch über letzteres. Wärmestauungen aufgrund höherer Lufttemperatur und höherer absoluter Luftfeuchte sind daher eine Kreislauf- und Gefäßbelastung. Des weiteren liegt die Sauna-Lufttemperatur immer über der Strahlungstemperatur der Holzflächen, so dass die Körperaufheizung weitgehend oberflächlich erfolgt. Die tiefliegenden Gewebeschichten und Organe werden in der Sauna It. Strahlungswärmeexperten daher nicht so kreislaufschonend intensiv erwärmt wie bei einer der Körperstrahlung äquivalenten allseitig gleichmäßigen Wärmestrahlung, wie es z.B. beim Thermarium bzw. Tecaldarium der Fall ist. Da sich beim Saunabesuch die Blutbahnen der tieferen Gewebeschichten angeblich nicht so weiten wie beim Wärmehülleneffekt eines römischen Thermenbades, ist zwangsläufig auch die Herzleistung höher. Daraus resultiert wiederum die Begrenzung der Benutzungsdauer in der Sauna auf ca. 15 Minuten.

Beim passiven Trockenbaden ä la Römer wird der Kreislauf nicht extrem belastet, sondern lediglich das menschliche Wärme- Regulierungssystem mittels Wärmestrahlung nach dem natürlichen Prinzip, z.B. der Sonne, des offenen Feuers etc., kreislaufschonend stimuliert. Der positive Nebeneffekt ist, dass sich die Therapiezeit bzw. der Badegenuß verlängert. Besonders Ältere, Frauen sowie hitzeempfindliche Menschen schätzen den wohltuend entspannenden Thermen-Wärmestrahlungsanteil, der bekanntlich in einer Sauna nicht so ausgeprägt ist. Die Lufttemperatur in der Therme liegt, wie bereits erwähnt, bis zu 15°C unter der Temperatur der Wärmestrahlungsflächen. Hieraus erklärt sich auch das besonders angenehme Klima mit relativ niedriger Atemlufttemperatur. Übrigens liegt die menschliche Schmerzgrenze bei Naturstein- und Keramikoberflächen bei ca. 45 ° C .

GESTALTUNG

Die heutigen Wärmestrahlungs-Badethermen sind gesundheitsfördernde multifunktionale Erlebnis-, Entspannungs-, Regenerations-, Freizeit- und Wärmetherapieinrichtungen zugleich. Licht, Sonne, Duft, Musik und Sauerstoffzufuhr sind ebenso Elemente zur Steigerung des allgemeinen Wohlgefühls wie Pflanzen, Brunnen, Wasserbäder etc. Die Verwendung von traumhaft schönen Belägen aus edler Keramik, ewig modernem Marmor, hochglanzpoliertem Naturstein o.a. setzt in Verbindung mit exclusivem Interieur dem persönlichen Geschmack bzw. Lebensstil keine Grenzen.

Durch die individuellen Anpassungsmöglichkeiten an die jeweiligen baulichen Gegebenheiten bieten sich gesundheitsfördernde bzw. vitalisierende Thermenrefugien hervorragend zum problemlosen Einbau sowohl in Privathäusern als auch für den professionellen Bedarf in Hotels, Pensionen, Bäder-, Fitness- und Freizeiteinrichtungen an. Die beiden eingangs genannten Firmen, Schletterer und Hufland, entwerfen, planen und erstellen die "archaischen" Thermenanlagen komplett in Eigenregie. Selbstverständlich kann auch der Kunde seine eigenen kreativen Vorstellungen verwirklichen und durch individuelle Werkstoffbestimmung dekorative Akzente setzen. Hierdurch wird die Gesundheitsoase gleichzeitig zum stimmungsvollen Seherlebnis mit dem Flair eines ganz persönlichen Art-Deco-Bade-Unikats.

Da die unverwüstlichen Natur oberflächen eine Epoxydharzverfugung erhalten, gibt es selbst bei der hygienischen Reinigung und Pflege mittels Dampfstrahlgerät keinerlei Probleme. Je nach vorhandenem Platzangebot und Benutzerwunsch kann das Thermarium bzw. Tecaldarium die Multifunktionen Regenerationsbad, Schwitzbad, Dampfbad und Kneippbad in einem Thermenraum vereinigen oder - wie im öffentlichen Bereich üblich - als Badelandschaft aus mehreren Kabinen mit unterschiedlichen Temperaturzonen bestehen.

ENERGIEVERSORGUNG

Um die gesunde und zugleich wohltuende Wärmestrahlung der alten Römer wieder zu aktivieren, verwendet man selbstverständlich nicht mehr ihre Hypokausten- Heizung mit dynamischer Tubuli-Thermoverkleidung, sondern nutzt die Jahrtausende alten Erkenntnisse des kultur-historischen Terminus Technikus, allerdings modifiziert mit den uns heute zur Verfügung stehenden "Fitness-Technologien".

Als Wärmeträger dient entweder entsprechend temperierte Luft und/oder Wasser.Die Möglichkeiten der Erwärmung des Wärmeträgers sind ebenfalls flexibel und lassen sich daher auch hervorragend in vorhandene Heizungssysteme integrieren. Öl, Gas, feste Brennstoffe und Strom sind ebenso problemlos einsetzbar wie die intelligente Nutzung umweltschonender sogenannter erneuerbarer Solar- oder Erdwärmeenergie mittels Wärmepumpen.

Eine weitere Möglichkeit der gleichmäßigen Erwärmung der raumumschließenden Wände bietet die kontrollierte Heißluftbeheizung in Anlehnung an die historische Hypokausten-Heizungstechnik.

Außerdem lässt sich die Luft im Thermenraum selbst mittels Klimatisierung und Wärmerückgewinnung problemlos veredeln. Bei Häusern mit Niedrig-Energiekonzeptionen kann man das Thermarium bzw. Tecaldarium gleichzeitig auch als Energiespeicher nutzen.

WÄRMESTRAHLUNGS-HEIZSYSTEME

Um die den Raum bzw. die Therme umgebenden Flächen flexibel bzw. schnell verfügbar zu temperieren, gibt es verschiedene handelsübliche Wärmestrahlungs- Heizsysteme. Besonders bei unter Putz verlegten Rohren verursacht bekanntlich das Korridieren bzw. Rosten immense Kosten. Daher verwendet man üblicherweise für den beschriebenen Einsatzbereich korrosionsbeständige thermoelastische Kunststoffe in Form flexibler Rohrregister. Als Werkstoff hat sich robustes, hochdruckvernetztes Polyethylen PE-X (VPE), z.B. der Firma Velta, in sauerstoffdichter Ausführung gemäß DIN 4726 hervorragend bewährt.

Bei der Verbindungstechnik sollte der Leitsatz lauten: Wer den Anschluß verpaßt, den straft der Kunde. Denn schließlich ist die Rohrverbindung das schwächste Glied in der Systemkette, und wer hat schon Interesse an leidvollen Kettenreaktionen? Das superschnelle Velta-Preßfitting-System rapex P ist nicht zuletzt auch deswegen eine funktionssichere und problemlose Verbindung, weil sie u.a. dem Risikofaktor "Mensch", d.h. den menschlichen "Unzulänglichkeiten" weitgehend entzogen ist.

Die Firma Polytherrn wirbt u.a. mit dem pfiffigen Slogan: "Der Klimaboden geht auch die Wände hoch" für die Verwendung ihres diffusionsdichten VPE -Fußboden- Heizrohrsystems zusätzlich als Wandstrahlungsheizung.

Daneben besteht auch die Möglichkeit des Einsatzes von nur 5 mm dicken Velta- Klimaböden in Modulplattenbauweise. Diese weitgehend industriell vorgefertigten hochwärme- und alterungsstabilisierten, voll recycelbaren Polypropylen-Heizmodule bieten eine absolut gleichmäßige Temperaturverteilung. Des weiteren gibt es sogenannte Thermoheizmatten, z.B. der Firma Climatt, die ebenfalls nur einen relativ geringen Wandaufbau haben. Ein dichtes Netz aus feinen Adern bewirkt, daß sich das Heizmedium sehr rasch und gleichmäßig verteilt.

Im Gegensatz zu sauerstoffdichten Polyethylenrohren benötigen die nicht diffusionsdichten Polypropylen-Module Heizungsanlagen aus korrosionsfreien Bauteilen oder eine Systemtrennung mit einem Sekundär-Kreislauf aus korrosionsbeständigem Material.

Ein weiteres alternatives Flächen-Heizungssystem, bei dem bereits werkstoffspezifische Verbindungen mit der römischen Historie bestehen, bietet die Cuprotherm Kupferrohr- Fußbodenheizung der Firmen Wieland und kabelmetall. Kupferrohrfunde in Abusyr in Ägypten dokumentieren, daß der Werkstoff Kupfer bereits vor 4.700 Jahren (um 2.720 v.Chr.) praktische Anwendung im Wasserbereich fand und als Kupferlegierung sogar einem ganzen Zeitalter – der "Bronzezeit" - ihren Namen gab.

Zurück in die Gegenwart bzw. Zukunft. Das Cuprotherm Niedertemperatur-Heizsystem besteht aus Kupferrohr 14 x 0,8 mm, DIN 1787, mit gelb-orange-farbigem Kunststoff-Schutzmantel. Aufgrund seiner leichten Verformbarkeit ist es in Verbindung mit den handelsüblichen Systemkomponenten sowohl im traditionellen Dickbettverfahren als auch im Dünnestrich einschließlich Gußasphalt problemlos zu installieren.

Für die Temperaturregelung der angenehm strahlenden Flächen gilt: Wer sparsam heizen will, muß richtig fühlen.

Das elektronische Einzelraumregelungssystem Veltamat KR-D mit hochempfindlichen Silizium-Halbleitersensoren bietet neben optimalem Regelkomfort auch die zusätzliche Möglichkeit der DAC-Steuerung. Ein sehr interessantes Heizsystem, das dem Hypokausten-Heizungsprinzip wohl am nächsten steht, ist die Cuprostar Wandheizung der Firma GuB Gesellschaft für umweltgerechte Bauweise mbH. Das Wandheizungssystem besteht aus thermostatisch geregelten Rippen- bzw. Lamellenrohr-Heizkörperelementen aus Kupfer, die optisch nicht sichtbar, direkt in der Wand integriert, ihre Wärmeenergie an speziell gefertigte bzw. geformte Kalksandsteine mit Luftkanälen abgibt. Die Wärmeenergie steigt zunächst in den senkrechten Luftkanälen bis in den Deckenbereich, wo der Luftstrom durch spezielle Endsteine umgelenkt wird. Über die aus den Umfassungswänden bzw. Raumhülle strömende Wärme erreicht man schließlich ein als besonders angenehm und behaglich empfundenes Wärmestrahlungsklima in Verbindung mit bauökologisch gesunder Bausubstanz.

Wie die zeitgeschichtliche Wärmereise verdeutlicht, kommt man heute dank der "neuen alten" Heizsysteme bequem und problemlos in den Luxus-Genuß sinnlicher Wärmeerlebnisse mit der Zauberkraft des legendären Rundum-Behaglichkeits-Streichelklimas der geschichtsträchtigen römischen Badethermen.

Anmerkung: Nach wie vor werden, wider allen anerkannten Regeln der Technik,

in Schwimmhallen Wandheizungen nicht nur empfohlen sonder  auch, man lese und staune, tatsächlich eingebaut. Die dabei genannten völlig realitätsfernen Argumente gehen von Schutz gegen Verpilzung über Behaglichkeitskomfort bis hin zu  Energieeinsparung. Dieses ist bei den heute ohnehin umweltbewusst konzipierten Niedrigenergie-Baukonstruktionen nach DIN 4108 u. a. aus folgenden plausiblen Gründen energetisch und funktionstechnisch unrealistisch:

1. Die Lufttemperatur liegt in Schwimmhallen üblicherweise ca. 2 °C über der Beckenwassertemperatur.

2. Die Beheizung moderner Schwimmhallen erfolgt über die Lüftung in Verbindung mit Entfeuchtungs-Wärmerückgewinnungssystemen mittels definierter Zuluftführung vor Fenster-Außenflächen.

3.  Unter den o. g. Funktionskriterien respektive der DIN EN 1264 ist keine vorschriftsmäßige  Temperaturregelung der Wandheizung mit den Regelparametern der Luftheizung möglich da das Temperaturniveau der Wandheizung in der Regel unter dem der Hallenluft ist und folglich einen gegenseitige unzulässigen Temperatur-Regelbeeinflussung stattfindet.

Literatur: Richtlinie Nr.:7 „Herstellung von Wandheizung- und –kühlsystemen  im Wohnungs-, Gewerbe- und Industriebau“ vom Bundesverband Flächenheizung und Flächenkühlung e. V.

 

Weitere Literatur:

Saalburg Jahrbuch, Walder de Gryuter Verlag, Berlin - New York

 

Firmenbroschüren:

Firma Schletterer, A-4923 Lohnsburg 57, Telefon: 0 77 54/30 01

Hufland Wärmesysteme GmbH, 64823 Groß-Umstadf, Telefon: 0 60 78/40 94

D.F. Liedelt Velta, Postfach 22822, 22851 Nordestedt

PMS Klimatechnik GmbH, Buchenweg 4, 65558 Gückingen

Wieland-Werke AG, Graf-Arco- Straße, 89079 Ul

KM - Kabelmetal AG, Klosterstraße 29, 49074 Osnabrück

GuB Gesellschaft für umweltgerechte

Bauweise mbH, Sandkrugweg 16, 22457 Hamburg

 

CHRISTOHP SAUNUS

SANITÄR- UND HEIZUNGSTECHNIK • 3 • 1 9 97